Reaktivierung alter Bahnstrecken – Das Comeback der Nebenstrecken

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Reaktivierung alter Bahnstrecken – Das Comeback der Nebenstrecken

bahnstrecken

Bild von Aleksejs Ivanovs auf Pixabay

Die Reaktivierung alter Bahnstrecken ist eine wichtige Voraussetzung für eine gelungene Mobilitätswende. Bis zum Jahr 2030 sollen sich die Zahlen im Personenverkehr der Deutschen Bahn verdoppeln und der Güterverkehr signifikant steigen. Ohne Reaktivierung alter Nebenstrecken wird das nicht funktionieren. Das wissen auch die Allianz pro Schiene und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und fordern deshalb die Reaktivierung alter Bahnstrecken.

Think big, think small

Ich habe mich hier ja schon des Öfteren als Bahn-Fan geoutet. Meiner Meinung nach gibt es kein besseres Verkehrsmittel – für jede Entfernung. Früher, also vor dem Corona-Dauer-Homeoffice, pendelte ich täglich mit der Bahn zur Arbeit. Und habe so schlafend oder lesend (oder bloggend ;-)) was fürs Klima getan.

Auch in den Städteurlaub sind wir in der Vergangenheit schon ein paarmal mit dem ICE gefahren. Und in diesem Sommer werde ich mit dem Interrail-Ticket 6 Wochen quer durch Europa fahren – falls wir geimpft sind und die Corona-Lage das zulässt. Also Daumen drücken 🙂

Aber nicht nur die großen Strecken, der Deutschlandtakt, die Nachtzüge durch Europa sind ein wichtiger Baustein für die Mobilitätswende. Auch die Reaktivierung alter Bahnstrecken in ländlichen Regionen verbindet viele Menschen wieder besser mit den Städten.

Fehler der Vergangenheit

Nötig ist die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs auf den Nebenstrecken überhaupt erst geworden, weil im Zuge der 1990er Jahre viele Fehler gemacht wurden beim Schienennetz. In diesen Jahren wurde alles auf Effizienz und Privatisierung getrimmt. Die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn der neuen Bundesländer wurden 1994 in die DB AG überführt.

Obwohl weiterhin komplett im Besitz des Staates, wurde die neue Aktiengesellschaft deutlich verschlankt. Allein dabei wurden 5.400 km Schienennetz stillgelegt. Wobei es da unterschiedliche Stufen gibt. Denn stillgelegt kann von „da fährt jetzt keine Bahn mehr“ bis hin zum kompletten Rückbau der Schienen-Infrastruktur alles bedeuten.

Wie kam es überhaupt zu den Stilllegungen? Meistens sanken die Nutzerzahlen auf den Strecken. Darauf hätte man mit einem Attraktivitätssteigerungsprogramm reagieren können oder – und so wurde es stattdessen getan – mit Einschränkungen bei der Anbindung. Dadurch wurden die Strecken aber noch unattraktiver und schließlich komplett eingestellt. Ihr kennt das vielleicht vom Bus auf dem Land: wenn die Strecke nur noch 4 mal täglich befahren wird, nutzt das kein Mensch mehr, weil man nicht weiß, ob man überhaupt noch zurück kommt.

Reaktivierung alter Bahnstrecken nicht immer sinnvoll – aber oft

Laut statistischem Bundesamt sinkt der Anteil die kürzeren Pendlerstrecken bis 25 km während der Anteil der langen Strecken steigt. Zudem ist ein Anstieg festzustellen beim Anteil, bei dem Wohnort und Arbeitsort identisch sind. Das hängt mutmaßlich damit zusammen, dass Pendler mit weiteren Strecken auch oft im Home Office arbeiten.* Office-Situation natürlich andere Gründe hat. Die weiten Entfernungen bleiben aber erhalten.

Damit einher gehen die steigenden Fahrgastzahlen der DB. Die Reaktivierung alter Bahnstrecken in der Vergangenheit hat gezeigt, dass auch dort sofort hohe Fahrgastzahlen zustande kommen. Betrachtet man dies vor dem Hintergrund der steigenden Pendlerstreckenentfernungen, liegt die Annahme nah, dass die Reaktivierung weiterer Bahnstrecken sinnvoll ist. Hinzu kommen Klimawandel und Mobilitätswende, die den öffentlichen Personennahverkehr zusätzlich befeuern.

Ein großer Vorteil von ehemals bestehenden Bahnstrecken im Vergleich zu kompletten Neubauten ist, dass vielerorts die alte Infrastruktur noch erhalten ist und recht schnell wieder genutzt werden kann. Aus Kostengründen hat man auf einen Rückbau verzichtet, so dass teilweise – überspitzt gesagt – nur etwas „Frühjahrsputz“ nötig ist, um die alten Strecken wieder in Betrieb zu nehmen.

Reaktivierung alter Bahnstrecken ist Ländersache!

Wer jetzt denkt, blöde Bahn, soll halt mal aus dem Quark kommen und ihr Netz ausbauen, liegt daneben. Denn seit der Bahnreform Mitte der 90er Jahre ist die Bahn dafür gar nicht mehr zuständig. Zuständig ist die Politik! Und hier genauer gesagt die Länder. Das kann man aber auch durchaus als Vorteil sehen.

Denn die Politiker machen natürlich das, worauf die sie wählende Bevölkerung sie aufmerksam macht. Heißt: Wenn Ihr an Eurem Wohnort lokale Projekte zum Ausbau der ÖPNV unterstützen wollt, dann schreibt die zuständigen Politiker an! Vom Gemeinderat über den Kreis bis hin zu den Landtagsabgeordneten. In einem meiner letzten Post habe ich Euch gezeigt, dass gezielte Briefe einiges ausrichten können.

Beispiele aus dem Kreis Gummersbach (Oberbergischer Kreis)

In meinem Heimatkreis Gummersbach wurde bereits eine erste, kreisübergreifende Reaktivierung vorgenommen: Die Regionalbahn RB25 (Oberbergische Bahn) endet seit über einem Jahr nicht mehr in Gummersbach, sondern fährt zumindest einmal in der Stunde weiter bis Lüdenscheid im Sauerland. Ich habe die Verbindungserweiterung schon selbst genutzt, um mit der Bahn mit einmal Umsteigen in Brügge (Sauerland) bis zum Signal Iduna Park in Dortmund zu fahren.

Eine weitere Reaktivierung ist noch in Planung. Die sogenannte Wiehltalbahn soll von der Strecke der RB25 abzweigend bei Gummersbach-Dieringhausen die Verbindung nach Morsbach, bzw. Waldbröl herstellen. Dass es sich hierbei um ein politisches und kein Bahnthema handelt, könnt Ihr Euch im verlinkten Beitrag der Kreisgrünen Oberberg anschauen.

Fazit: Die Reaktivierung alter Bahnstrecken hat großen Mehrwert für die Mobilitätswende

Viele alte Bahnstrecken sind in einem Zustand, der eine schnelle Reaktivierung ermöglicht. Der Bedarf ist da. Was fehlt, ist der politische Willen. Es wird Zeit, dass es hierbei nicht nur immer um Kosteneffizienz geht, sondern dass das ganze vom Klimawandel und der Mobilitätswende her gedacht wird. Da kann man dann gerne mal die finanziellen und gesundheitlichen Kosten eines nicht mehr einzudämmenden Klimawandels gegenrechnen und wird feststellen: so teuer ist es dann auch wieder nicht angesichts der Alternative.

Schaut Euch die hier verlinkte Seite der Allianz pro Schiene an. Dort findet Ihr eine Deutschlandkarte mit allen laufenden Initiativen für regionale Wiederbelebungen von alten Bahnstrecken. Dort könnt Ihr direkt sehen, ob bei Euch vor Ort etwas geplant ist. Und dann kommt der wichtige Schritt: Schreibt wie oben beschrieben Euren zuständigen Politikern und lasst sie wissen, dass der Bedarf da ist. Dann kann die Verkehrswende schon bald Wirklichkeit werden.

* Anmerkung: die aktuellsten Zahlen, die ich gefunden habe, stammen aus dem Jahr 2012. Der Trend wird sich bis heute noch verstärkt haben, wobei die momentane Home

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