06_Verbrenner: Kalifornien verbietet Neuzulassung ab 2035 – Söder zieht nach

Verbrenner: Kalifornien verbietet Neuzulassung ab 2035 – Söder zieht nach

Das Aus für den Verbrenner rückt näher. Der US-Bundesstaat Kalifornien erlaubt ab dem Jahr 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen. Damit läutet Kalifornien in den USA im Alleingang die Verkehrswende ein. Diesen Knall hat man bis nach Deutschland gehört, denn hier stößt auf einmal der CSU-Vorsitzende Söder ins gleiche Horn. Sehr zum Schrecken der Union.

Waldbrände und Tesla

Dass ausgerechnet Kalifornien mutig vorprescht, ist wohl vor allem zwei Tatsachen geschuldet. Die erste liegt auf der Hand. Denn die an der US-Westküste wütenden Waldbrände zeigen den Einwohnern des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaats, dass die Klimakrise für sie eine lebensbedrohliche Entwicklung nimmt.

Der andere Grund dürfte wirtschaftlicher Natur sein. Mit dem Autobauer Tesla hat Kalifornien ein Schwergewicht bei den emissionsfreien Autoherstellern im eigenen Einzugsbereich zu bieten. Auch wenn ich den Umweltbemühungen Glauben schenke, schadet es sicher nicht, dass dadurch ein einheimisches Autounternehmen gepusht wird. Aber bis 2035 haben natürlich die anderen Autohersteller auch noch genügend Zeit, ihre emissionsfreien Automodelle weiter zu entwickeln.

Elektro- oder Wasserstoffantrieb

Wenn ab dem Jahr 2035 nur noch neue PKW und kleinere LKW verkauft werden dürfen, die keine lokalen CO2 Emissionen ausstoßen, bedeutet das nach heutigem Stand der Technik, dass nur noch Elektrofahrzeuge und solche mit Wasserstoffantrieb neu zugelassen werden dürfen.

Über die jeweiligen Vor- und Nachteile dieser beiden Antriebsarten habe ich Euch schon in den verlinkten Blog-Posts berichtet. Hier noch mal in Kürze die Quintessenz: Gerade für die vom kalifornischen Verbot betroffenen PKW und kleinen LKW ist der Elektromotor definitiv der bessere Antrieb. Für Langstrecken und große LKW sehe ich nach heutigem Stand den Wasserstoff als überlegen an.

Beiden gemein ist, dass sie das Klima ab einer bestimmten Fahrleistung wesentlich weniger belasten als der Verbrenner und somit aus Sicht der Kalifornier dabei helfen, ihre Wälder gegen Brände aber auch die Küsten gegen Überschwemmungen durch schmelzende Polkappen zu schützen.

Söder zieht nach: 2035 auch in Deutschland realistisch für das Ende des Verbrenner

Während man Kalifornien aus der Ferne noch einen gewissen Pioniergeist und einen Fortschrittsdrang unterstellen kann, kommt von überraschender Seite ebenfalls Rückenwind für die Verkehrswende. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, CSU, bringt auch für Deutschland ein Ende des Verbrennungsmotors ins Spiel. Das Jahr 2035 sei für ihn „ein sehr gutes Datum“, um Neuzulassungen von Autos mit Verbrenner zu verbieten. Wumms, das saß.

Während es für diesen überraschenden Vorstoß Lob von Seiten der Grünen, Greenpeace und dem Umweltbundesamt gab, ließ die Kritik nicht lange auf sich warten. So sagte das CDU-Bundesvorstandsmitglied Axel Fischer der Augsburger Allgemeinen, dass die Worte Söders eine „unsensible Botschaft für die Arbeitnehmer und ihre Familien“ gewesen seien.

Was mit Verlaub, Unfug ist, weil Söder ja keine Massenentlassung in Aussicht gestellt hat, sondern, einen Termin ins Spiel gebracht hat für eine Entwicklung, die von niemandem mehr aufzuhalten ist. Je eher man den Autokonzernen klare Leitplanken gibt, desto eher können sie sich darauf einstellen, wann ihre Produktion umgestellt sein muss. Es ist also genau umgekehrt: Söder würde den Autoherstellern klare Vorgaben schaffen mit einem nun wirklich nicht zu knappen Vorlauf von 15 Jahren, damit sie sich auf dieses Datum hin ausrichten können.

Nicht nur Konservative halten am Verbrenner fest

Zu den wenig überraschenden Einwände seitens der CDU gesellt sich ein weiterer vorhersehbarer Kritiker an Söders Vorstoß. Der niedersächsische Autopräsi…, äh Ministerpräsident Stephan Weil wandte sich ebenfalls in vorauseilendem Gehorsam stellvertretend für VW, dem Autohersteller also, an dem das Land Niedersachsen 20,2 Prozent hält, mit deutlichen Worten gegen ein Enddatum für den Verbrennungsmotor.

Weil gibt zu bedenken, „Auf Kohle-Basis nützt das schönste Elektroauto nichts.“ Aus dieser sehr richtigen Analyse leitet er aber nicht ab, dass man dringend den Ausbau der Erneuerbaren antreiben sollte, sondern, dass man sich nicht auf ein Enddatum für den Verbrenner festlegen sollte. Warum auch? Gerade die deutsche Autoindustrie hat doch in der Vergangenheit gezeigt, dass ihr die Umwelt sehr am Herzen liegt und dass man keinen Druck seitens der Politik nötig hat, um auf Zukunftstechnologien zu setzen. *Ironie off*

Fazit: Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt

Die Aussage, dass der Verbrenner seine besten Tage hinter sich hat, scheint einige immer noch zu überraschen – und auch zu provozieren. Fakt ist aber, dass das selbst bei den Autoherstellern selbst ein mittlerweile anerkannter Fakt ist. Je eher ein deutliches Signal aus der Politik kommt, desto besser können sich die großen Konzerne darauf einstellen. Und genau dies dient letztlich dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Denn so kann eine schrittweise Transformation stattfinden, statt von heute auf morgen Werke schließen zu müssen.

Die Verkehrswende bedeutet auch nicht, dass wir alle zurück in die Steinzeit müssen. Im Gegenteil: wer schon mal ein Fahrzeug mit Elektroantrieb gefahren hat, wird zustimmen, dass das Fahrgefühl jedem Verbrennungsmotor überlegen ist. Und das gilt für jeden Fahrstil. Selbst „Raser“ werden von der stufenlosen Beschleunigung eines Elektroantriebs begeistert sein.

Natürlich hat Herr Weil Recht, dass es für eine echte Verkehrswende Strom aus Erneuerbaren braucht. Diese müssen daher weiter gefördert und ausgebaut werden. Wer den Strom für sein Elektroauto dann auch noch aus der Photovoltaikanlage vom eigenen Dach „tanken“ kann, wird den fossilen Treibstoffen keine Träne mehr nachweinen. Für Verbrenner und Elektromotor gilt: Der König ist tot, lang lebe der König.