Weltklimabericht 2014 – Kernbotschaften des Fünften Sachstandberichts des IPCC

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Weltklimabericht 2014 – Kernbotschaften des Fünften Sachstandberichts des IPCC

© IPCC - Intergovernmental Panel on Climate Change

Bei Recherchen zu einem ganz anderen Thema bin ich heute auf den Weltklimabericht 2014 gestoßen, den ich gerne sofort mit Euch teilen möchte. Ich bin gerade noch dabei, die Zusammenfassung für Entscheidungsträger  zu lesen, die die wichtigsten Kernaussagen des Gesamtberichts auf immerhin noch 36 DIN A4 Seiten zusammenfasst. Den vollständigen Bericht in englischer Sprache findet Ihr hier.

Zeigen möchte ich Euch gerne die Zusammenfassung der Kernaussagen des Berichts, die in deutscher Sprache vom Bundesumweltministerium herausgegeben werden. Damit verabschiede ich mich auch schon für heute, denn jetzt folgt der ungekürzte und unkommentierte Originalbericht.

Kernbotschaften des Fünften Sachstandsberichts des IPCC (Klimaänderung 2014: Synthesebericht)

Der Weltklimarat IPCC ( Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) veröffentlicht in den  Jahren 2013 und 2014 den Fünften Sachstandsbericht. Der Bericht besteht aus den  Beiträgen der drei IPCC-Arbeitsgruppen und einem übergreifenden Synthesebericht.

Die folgenden „Kernbotschaften“ stellen eine kurze  Erläuterung und Zusammenfassung des Syntheseberichts (IPCC, Climate Change 2014: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II  and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change) dar, um der interessierten Öffentlichkeit den Zugang zu den umfangreichen Ergebnissen des IPCC zu erleichtern. Es handelt sich nicht um wörtliche Übersetzungen, maßgeblich ist der Wortlaut der durch den IPCC veröffentlichten Texte.

Beobachteter Klimawandel

Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig und es ist äußerst wahrscheinlich1, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war. Die bereits heute eingetretenen Klimaänderungen haben weitverbreitete Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Viele der seit den  1950er Jahren beobachteten Veränderungen sind zum ersten Mal seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden aufgetreten. Die Atmosphäre und die Ozeane haben sich erwärmt, die Schnee- und Eismengen sind zurückgegangen und der Meeresspiegel ist angestiegen. Die weltweit beobachteten Temperaturen von Land- und Ozean-Oberflächen zeigen einen Anstieg von etwa 0,85°C zwischen 1880 bis 2012.

Jedes der letzten drei Jahrzehnte war an der Erdoberfläche sukzessive wärmer als alle vorangehenden Jahrzehnte seit 1850. Im Zeitraum 1901 bis 2010  ist der mittlere globale Meeresspiegel um etwa 19cm gestiegen. Die Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs seit Mitte des 19. Jahrhunderts war größer als die mittlere Geschwindigkeit in den vorangegangenen zwei Jahrtausenden.

Seit ca. 1950 wurden Veränderungen vieler extremer Wetter-  und Klimaereignisse beobachtet, unter anderem ein Rückgang von kalten Temperaturextremen, die Zunahme von heißen Temperaturextremen, extrem hohen  Meeresspiegelständen sowie der Häufigkeit von extremen Niederschlägen in einigen Regionen.

Ursachen des Klimawandels

Der menschliche Einfluss wurde in der Erwärmung der Atmosphäre und des Ozeans, in Veränderungen des globalen Wasserkreislaufs, in der Abnahme von Schnee und Eis und im Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels nachgewiesen. Auch einige Veränderungen von extremen Wetter- und  Klimaereignissen wurden auf menschlichen Einfluss zurückgeführt.

Der von Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen, zusammen mit anderen  menschlichen Einflussfaktoren, ist äußerst wahrscheinlich  die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

Anthropogene Treibhausgasemissionen sind seit der vorindustriellen Zeit angestiegen; sie befinden sich gegenwärtig auf dem absolut höchsten  Stand. Dies wurde weitgehend durch  Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum verursacht. Menschliche Aktivitäten haben die atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas auf Werte ansteigen lassen, die in mindestens den letzten 800.000 Jahren noch nie vorgekommen sind. Dies führte zu einer Aufnahme von Energie in das Klimasystem. Davon wurde in den vergangenen 40 Jahren mehr als 90% durch die Ozeane gespeichert, so dass diese erwärmt wurden.

Folgen des Klimawandels

In den letzten Jahrzehnten haben Klimaänderungen weitverbreitete Folgen für natürliche und  menschliche Systeme auf allen Kontinenten und in den Ozeanen gehabt. Einige einzigartige und  empfindliche Ökosysteme, z.B. in der Arktis oder Warmwasser-Korallenriffe, sind schon  heute vom   Klimawandel bedroht. Die geographische Verbreitung von Arten und ihre Interaktion untereinander haben  sich verändert. Die Erträge von Weizen und Mais werden überwiegend negativ beeinflusst. In  vielen Regionen haben  geänderte Niederschläge oder Schnee- und Eisschmelzen die Wasserressourcen beeinträchtigt. Diese vielfältigen Veränderungen deuten darauf  hin, dass natürliche und menschliche Systeme empfindlich gegenüber einem sich wandelnden Klima reagieren, unabhängig von der Ursache des Wandels.

Risiken und Folgen zukünftigen Klimawandels

Anhaltende Treibhausgasemissionen werden eine weitere Erwärmung und langfristige Veränderungen in allen Komponenten des Klimasystems bewirken. Der Klimawandel wird für Menschen und Umwelt bereits bestehende Risiken verstärken und neue Risiken nach  sich ziehen. Schnellerer und  stärkerer Klimawandel beschränkt die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen und erhöht die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende, tiefgreifende und irreversible Folgen  für Menschen, Arten und Ökosysteme. Anhaltende hohe Emissionen würden zu meist negativen Folgen für Biodiversität, Ökosystemdienstleistungen  und wirtschaftliche Entwicklung führen und die Risiken für Lebensgrundlagen, Ernährungssicherung und menschliche Sicherheit erhöhen.

Szenarien über zukünftige Treibhausgasemissionen variieren stark je nach sozio-ökonomischer Entwicklung und zukünftigen Klimapolitikmaßnahmen. In den von IPCC untersuchten Szenarien, die von strengem Klimaschutz bis zu ungebremsten Emissionen reichen, könnte die mittlere globale Erdoberflächentemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich um 0,9 bis 5,4°C  gegenüber vorindustriellen Bedingungen  ansteigen. Die Ozeane werden sich weiter erwärmen und versauern. Der mittlere globale Meeresspiegel wird im 21. Jahrhundert weiter ansteigen, sehr wahrscheinlich mit einer höheren Geschwindigkeit als die zwischen 1971  und 2010 beobachtete. Je  nach  Szenario wird der Anstieg wahrscheinlich im Bereich von 26  bis 82cm gegenüber dem Ende des vorigen Jahrhunderts liegen. Der Meeresspiegelanstieg und viele andere Aspekte des Klimawandels und seiner Folgen  werden über Jahrhunderte bestehen bleiben, selbst falls anthropogene Treibhausgasemissionen gestoppt werden.

Die kumulativen CO2-Emissionen, also die Summe der Emissionen seit Beginn der Industrialisierung, bestimmen weitgehend die mittlere globale Erwärmung der Erdoberfläche bis ins späte 21. Jahrhundert und darüber hinaus. Um die mittlere globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 66% auf weniger als 2°C zu begrenzen, ist es notwendig, die kumulativen CO2-Emissionen seit 1870  auf etwa 2900 Gt CO2 zu begrenzen. Etwa zwei Drittel davon sind bis zum Jahr 2011 bereits emittiert worden. Das bedeutet, dass nur noch ca. 1000 Gt CO2 übrig  sind. Dabei ist berücksichtigt, dass auch  andere Treibhausgase zum Klimawandel beitragen.

Minderungs- und Anpassungsoptionen

Die Minderung von Treibhausgasemissionen und Maßnahmen  zur Anpassung an den Klimawandel  stellen komplementäre Strategien dar, um die Risiken des Klimawandels zu reduzieren und zu  bewältigen. Massive Einschnitte der Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten können die Risiken im 21. Jahrhundert und danach  wesentlich verringern, die Effektivität von Anpassungsmaßnahmen verbessern, die Kosten und Herausforderungen von Minderungsmaßnahmen langfristig  reduzieren und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Ohne zusätzliche Treibhausgasminderung, die über die heute bereits ergriffenen Maßnahmen hinausgeht, wird die Erwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts weltweit zu einem hohen bis sehr hohen Risiko durch  schwere, weitverbreitete und irreversible Klimafolgen führen, selbst wenn Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden. Klimaschutzmaßnahmen bringen sowohl Zusatznutzen als auch Risiken für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt mit  sich. Jedoch ist bei Klimaschutzmaßnahmen das Risiko schwerer, weitverbreiteter und irreversibler Folgen geringer als bei fortschreitendem Klimawandel.

Optionen zur Minderung von Treibhausgasemissionen sind in allen relevanten Sektoren verfügbar. Klimaschutz kann mit einem integrierten Ansatz kosteneffizienter sein, wenn Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasintensität der Endverbrauchssektoren, eine Dekarbonisierung der Energieversorgung, eine Reduktion der Netto-Emissionen und eine Stärkung  der Kohlenstoffsenken landgebundener Sektoren kombiniert werden.

Verschiedene Optionen sind verfügbar, mit denen die Erwärmung auf 2 °C  wahrscheinlich  beschränkt werden kann. Die jetzigen Minderungspläne sind dazu nicht ausreichend. In den von IPCC untersuchten Szenarien ist zur wahrscheinlichen  Einhaltung  der 2 °C Obergrenze eine Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen in allen Sektoren bis zum Jahr 2050 von 40% bis 70% gegenüber dem Jahr 2010  notwendig und Emissionen nahe null bzw. darunter im Jahr 2100. Diese Szenarien beinhalten sowohl zügigere Verbesserungen  der Energieeffizienz als auch  eine Verdreifachung bis annähernd Vervierfachung des Anteils kohlenstofffreier und kohlenstoffarmer Energieversorgung durch  Erneuerbare Energien, Atomenergie und fossile Energie gekoppelt mit Kohlenstoffabtrennung und –speicherung (CCS) bzw. Bioenergie mit CCS (BECCS) bis zum Jahr 2050. Die globalen CO2- Emissionen aus dem Energieversorgungssektor würden  in der nächsten Dekade abnehmen und  zwischen 2040 und 2070 um 90 % oder mehr unter das Niveau von 2010  sinken.

Die Umsetzung solcher Maßnahmen bringt erhebliche technologische, wirtschaftliche, soziale und institutionelle Herausforderungen mit sich, die bei einer Verzögerung zusätzlicher Minderungsmaßnahmen und falls Schlüsseltechnologien nicht verfügbar sind, zunehmen. Eine Begrenzung der Erwärmung auf 2,5°C oder 3 °C erfordert ähnliche Maßnahmen zur Minderung  von Treibhausgasemissionen wie die Begrenzung auf 2 °C, aber weniger schnell.

Schätzungen der aggregierten wirtschaftlichen Kosten für Minderungsmaßnahmen variieren stark und sind abhängig von den  verwendeten Methoden  und Annahmen. Die Kosten steigen generell mit zunehmender Ambition von Klimaschutzmaßnahmen, besonders wenn die Maßnahmen verzögert oder Schlüsseltechnologien nicht verfügbar sind. Unter der Annahme idealisierter Bedingungen zur Umsetzung einer Klimapolitik, die die globale Erwärmung auf 2 °C begrenzt, rechnen die meisten Studien mit einer jährlichen Verringerung des globalen Konsumwachstums um etwa 0,06 Prozentpunkte im Laufe des Jahrhunderts, bezogen auf ein erwartetes jährliches Konsumwachstum ohne Klimaschutz von 1,6% bis 3 % pro Jahr. Schätzungen der Kosten und des Nutzens von Klimaschutz können nicht direkt mit den Risiken von Klimafolgen verglichen werden.

Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel  werden durch die gleichen Faktoren begünstigt. Dazu gehören geeignete Institutionen und  Regierungsführung, Innovation und Investitionen in umweltfreundliche Technologien und  Infrastruktur sowie Nachhaltigkeit von Existenzgrundlagen, Verhalten und Lebensstilen.

Der Klimawandel bedroht eine gerechte und nachhaltige Entwicklung. Minderung, Anpassung und  nachhaltige Entwicklung  sind eng miteinander verbunden, wobei sowohl Synergieeffekte als auch  Zielkonflikte möglich sind. Der Klimawandel hat die Eigenschaften eines „Problems kollektiven Handelns“ auf globaler Ebene: Wirksamer Klimaschutz erfordert gemeinsame Lösungen, er kann  nicht erreicht werden, wenn einzelne Akteure  ihre eigenen Interessen unabhängig  verfolgen.

 

ENDE DER KERNBOTSCHAFTEN DES BERICHTS

3 Comments

  1. […] gehört zu den neuen Ideen, die mir Mut machen in Bezug auf den Klimawandel. Im Artikel über den Weltklimabericht 2014 hatte ich Euch versprochen, dass ich Euch dafür einige Beispiele vorstellen möchte. Damit werde […]

  2. […] noch einhalten zu können. Wie sich das auf das globale Klima auswirkt, habe ich in einem früheren Artikel bereits […]

  3. […] Wie oben in der Grafik gezeigt ist es höchste Zeit hier einen anderen Ansatz zu fahren. Denn mit einem weiter wie bisher wird die Energiewende verspielt und wir gehen der Klimakatastrophe sehenden Auges entgegen. […]

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