Was Ernährung mit dem Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit zu tun hat

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Was Ernährung mit dem Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit zu tun hat

ernährung klimawandel

Photo by Lidye on Unsplash

Heute freue ich mich besonders, Euch einen Gastbeitrag von Tina von nerdup.me vorstellen zu dürfen. Wenn Euch der better-life-blog gefällt, solltet Ihr Euch unbedingt auch ihren Blog anschauen! Aber genug der Vorworte, ich übergebe an Tina:

Ja, Hallo erstmal!

Mein Name ist Tina und ich habe heute das Vergnügen, hier einen Gastbeitrag beizusteuern – Vielen herzlichen Dank dafür erstmal an Andreas!

Ich komme aus Hamburg, bin eigentlich Physikerin und beschäftige mich eher im Privatleben mit Nachhaltigkeit. Dafür mache ich mir Gedanken und recherchiere, wie man das Leben aus vollen Zügen genießen und trotzdem einen relevanten Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz liefern kann. Dabei raus kommen dann viele kleine Lifehacks, mit denen man das Leben einfach nachhaltiger gestalten kann. Seit etwas mehr als einem halben Jahr blogge ich dazu auf nerdup.me und verfolge damit das gleiche Ziel wie Andreas vom better-life-blog.de, weshalb wir uns hier und heute zusammengetan haben.

Da mir als eingefleischtem Foodie die Ernährung immer wieder eine Herzensangelegenheit ist, möchte ich daher heute darüber schreiben:

Was Ernährung mit dem Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit zu tun hat

Es gibt Dinge, die wir jeden Tag tun – dazu gehört schlafen, trinken und ganz sicher auch das Essen. Der Durchschnittsdeutsche isst so etwa 96 kg Gemüse, 55 kg Kartoffeln und 88 kg Fleisch in einem Jahr. Das hat neben dem Einfluss auf die Gesundheit oder das Portmonee aber auch Einflüsse auf Umwelt, soziale Gerechtigkeit und vor allem das Klima. Warum, möchte ich im Folgenden am Beispiel des Durchschnittsdeutschen verdeutlichen:

Warum Ernährung Konflikte fördert: Das Land wird knapp…

Zur Produktion unserer Lebensmittel braucht es natürlich Land, auf dem man Lebensmittel anbauen kann. Wir alle kennen wohl die weiten Felder entlang unserer Straßen, auf denen Landwirte ihre Früchte anbauen. Etwa 11 % der Oberfläche unserer Erde wird landwirtschaftlich genutzt – und mit der noch immer stark wachsenden Weltbevölkerung wollen auch immer mehr Menschen satt werden. Umso wichtiger ist es, dass auch die Ressource Land sinnvoll eingesetzt wird, denn all diese Menschen brauchen ja wiederum auch Platz zum Leben.

Habt ihr allerdings schon mal genauer hingesehen, was so entlang der Straßen wächst? Dort findet man relativ wenig Gemüse, welches wir selber essen, sondern vor allem Getreide, Mais und Kartoffeln für die Fütterung von Masttieren. In der Europäischen Union wird so beispielsweise etwa 60 % des gesamten produzierten Getreides an Tiere verfüttert. Wenn wir uns die weltweite Nutzung der Ackerflächen ansehen, so werden davon sogar fast 80 % ausschließlich zur Produktion von Tierfutter oder als Weideland verwendet!

Tragisch daran ist, wie wenig effizient dieser Einsatz der Flächen ist: Von etwa 100 Kalorien, die durch Pflanzen auf einer Anbaufläche gewonnen werden, bekommen wir später im Fleisch nur 17-30 Kalorien zurück. Der Großteil der Energie geht vorher im Tier verloren, welches die Kalorien umsetzt und dadurch Muskeln aufbaut, die uns später als Fleisch dienen. Würden wir die Pflanzen direkt essen, können wir die 100 Kalorien komplett selber verwerten. Daher lassen sich von der gleichen Anbaufläche, die zur Produktion des 88 kg Fleischkonsums unseres Durchschnittsdeutschen jährlich benötigt wird, 2-6 x so viele Menschen pflanzlich ernähren!

Die Konsequenz des hohen Fleischkonsums in den reichen Industrieländern ist eine weltweite Landverknappung, denn gerade Tierfuttermittel werden besonders stark importiert. Und zur Produktion werden Regenwälder gerodet oder indigene Völker aus ihrer Heimat vertrieben. Der Landbedarf schürt so Konflikte in Ländern weit entfernt von uns, sodass wir den Zusammenhang kaum erkennen können.

… genauso wie das Wasser

Ganz ähnlich wie mit dem Landbedarf sieht es auch mit dem Wasserverbrauch aus, den unsere Ernährung verursacht. Der Großteil des Wassers, welches zur Produktion von Fleisch benötigt wird, ist nicht der, den das Tier direkt trinkt. Viel mehr wird benötigt, um Tierfutter herzustellen. So kommen schier unglaublich große Zahlen zusammen, die den Wasserverbrauch zur Produktion von Fleisch und tierischen Lebensmitteln beschreiben:

ernährung klimawandel

Im Vergleich zu den pflanzlichen Nahrungsmitteln Weizen und Reis liegt der Wasserbedarf für die Produktion tierischer Lebensmittel erheblich höher. Da sich beim Durchschnittsdeutschen die 88 kg Fleisch durchschnittlich auf etwa 41 kg Schwein, 18 kg Geflügel und 12 kg Rind (und kleine Mengen von anderem) aufteilen, kommt so also im Schnitt ein Wasserbedarf von 455.000 Litern im Jahr nur für Fleisch zusammen.

Diese Zahlen sind ja unglaublich groß, aber was bedeuten sie eigentlich? Wir wohnen doch auf dem blauen Planeten, der doch gefühlt endlos viel Wasser hat. Und mit dem Wasserkreislauf hat man uns in der Grundschule vermittelt, dass Wasser eigentlich nicht verloren geht, sondern nur wiederaufbereitet werden muss.

In der Realität aber verursacht die Landwirtschaft durch den großen Wasserverbrauch immense Umstände zur Reinigung des Wassers und trägt zur Verunreinigung des Grundwassers bei – deutlich sieht man das an der Nitratbelastung auch in Deutschland. Zur Wiederaufbereitung gebrauchten Wassers wird außerdem Energie benötigt, die wiederum meist umweltbelastend erzeugt wird. Und der Wasserkreislauf ist global, durch die Produktion und den Export von Futtermitteln geht aber in Regionen Wasser verloren, in denen es nicht wieder zugeführt wird. Das führt dann lokal zu einer Wasserknappheit. Durch den Klimawandel und die Wasserverschmutzung wird all das verschlimmert. Deswegen schätzt das Weltwirtschaftsforum Wasserknappheit als größte Gefahr des kommenden Jahrzehnts ein.

Und was hat das mit dem Klima zu tun?

Dass Fleisch etwa mit dem Klima zu tun hat, ist immer wieder Thema der Medien. Denn auch hier summiert sich auf, was der schlechten Effizienz der Fleischproduktion geschuldet ist: Um Muskelfleisch aufzubauen, muss das Tier recht viel Tierfutter essen, was wiederum nur unter Emission von Treibhausgasen erzeugt wurde. Als Bauerntochter erinnere ich mich gut daran, wie viel wir mit dem Trecker übers Land gefahren sind, um die Mais-Aussaat vorzubereiten, die Pflanzen während des Wachstums zu düngen, Unkraut zu entfernen oder später die Früchte zu ernten. Da summiert sich ganz schön viel Diesel für die Landmaschinen auf, um die Tiere für das nächste Jahr füttern zu können – und das landet wiederum als Treibhausgas in der Atmosphäre.

Erschwerend hinzu kommt, dass gerade Rinder durch ihre Verdauung auch noch selber Treibhausgase produzieren, die wiederum den Klimawandel weiter beschleunigen. So kommt dann bei den Rindern pro Kilogramm Fleisch besonders viel Klimagas zustande, welches mit der Einheit CO2-Äquivalent gemessen wird und die gesamte Treibhausgasemission beschreibt:

treibhausgasemissionen tierische lebensmittel

Der Vergleich ist hier besonders drastisch: Für die Klimagasemission, die bei der Produktion eines Kilos Rindfleisch anfällt, könnte man 6 kg Schweinefleisch oder 14 kg Geflügel produzieren – oder sogar unglaubliche 113 kg Weizen.

Für unseren Durchschnittsdeutschen bedeutet das wiederum, dass nur durch seinen Fleischkonsum mehr als 440 kg CO2-Äquivalent im Jahr frei werden und die Atmosphäre belasten – fast eine halbe Tonne. Für so viel Klimagas könnte man auch mit dem eigenen PKW 2300 km fahren, eine 45 m² Wohnung fast ein halbes Jahr lang heizen oder ein Haus mit 5 Zimmern mit Energie versorgen.

Wir alle haben die Macht, etwas zu verändern

Der Klimawandel und die Konflikte, die aus Land- und Wassermangel international getrieben werden, sind für mich gute Gründe, um das eigene Handeln zu hinterfragen. Trotzdem bin ich nicht Veganerin – es gibt auch für mich einige Produkte, die sich nicht vegan gleichwertig ersetzen lassen. Aber für mich haben tierische Produkte einen besonderen Stellenwert: Sie sind nicht nur aufwändig zu produzieren, wie ich aus meiner Kindheit weiß, sondern auch besonders wertvoll aufgrund des wenig effizienten Einsatzes unserer Ressourcen für ihre Produktion. Umso mehr schätze und genieße ich sie, wenn ich sie mir gönne. Und Gönnen ist hier für mich das Stichwort: Wir alle können einen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt, des Klimas und der Gesellschaft beitragen, wenn wir unsere Lebensmittel wieder mehr wertschätzen lernen – und bewusst genießen, eben in Maßen.

Oma hat das schon früher gewusst und hat den Sonntagsbraten als etwas ganz besonderes bereitet – diese Wertschätzung ist seither mit der Überproduktion von Fleisch verloren gegangen. Die Konsequenzen sind neben den oben genannten Problemen auch Massentierhaltung mit bedenklichen Folgen für das Tierwohl und daraus resultierend auch die Abnahme der Qualität unserer Lebensmittel. Mit bewusstem Konsum und gezieltem Einkauf können wir alle zu einer Veränderung beitragen: Und zwar ein Stückchen mehr und das jeden Tag! Für mich persönlich bedeutet das den Konsum wenig tierischer Produkte, diese aber aus besseren Haltungsbedingungen. Das verursacht dann auch keine zusätzlichen Kosten und an Qualität gewinnt man dabei sogar!

Die Ernährung ist nur ein Beispiel für all die Dinge aus dem Alltag, mit denen wir einen Unterschied für das Klima und die Umwelt machen können. Viele weitere Ideen dazu findet ihr hier im better-life-blog.de oder auch in meinem Blog nerdup.me. Jeder von uns hat die Macht, Dinge zu verändern, indem er handelt und andere zum Handeln motiviert. Also macht gerne mit und teilt eure Erfahrung mit uns und anderen! Wir freuen uns, von euch zu hören!

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