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wald gegen klimawandel

© Dieter Schütz / pixelio.de

Dass ein gesunder Wald gegen Klimawandel hilft, sollte mittlerweile jedem klar sein, oder? Scheinbar nicht. In einer Diskussion über den Erhalt eines Waldstücks nahe meinem Heimatort, konnten einige Leute dieses Argument doch tatsächlich nicht nachvollziehen. Bildungsauftrag angenommen! Hier kommt die Erklärung, was ein Wald gegen Klimawandel beiträgt und welche weiteren Folgen seine Vernichtung hat in fünf Unterrichtsstunden.

1. Stunde: Chemie

Was macht ein Baum eigentlich den ganzen Tag so? Nun, wie Ihr richtig vermutet: er wächst und wächst. Langsam und stetig. Je nach Jahreszeit konzentriert er sich dabei auf den Stamm oder die Blätter. Man unterscheidet beim Stamm Längen- und Dickenwachstum. Grundsätzlich funktioniert beides aber über eine Vermehrung von Zellen.

Die Nährstoffe, die ein Baum für sein Wachstum braucht, gewinnt er durch die berühmte Photosynthese. Dabei entnimmt der Baum Kohlendioxid aus der Atmosphäre und Wasser aus dem Boden und „verwandelt“ dieses  in Traubenzucker, Sauerstoff und Restmengen Wasser.  Die Formel dazu lautet:

6 CO2 + 12 H2O + Energie und Chlorophyll –> C6H12O6 (Traubenzucker) + 6 O2 (Sauerstoff) + 6 H2O (Wasser)

Die Rohstoffe Kohlendioxid und Wasser werden durch die Energie (Sonnenlicht) und das Chlorophyll, das die Energie sammelt und weiterleitet, in die genannten Stoffe verwandelt. Aber auch der unter dem Baum befindliche Waldboden (Humus) speichert Kohlendioxid. Er entsteht durch die im Herbst fallenden Blätter. Im Zersetzungsprozess durch Bakterien wird das CO2 nicht komplett wieder freigesetzt, sondern bleibt im Boden gebunden.

Darum leidet die Atmosphäre – und damit das Klima – auch doppelt unter einer Waldrodung: nicht nur das in den Bäumen selbst gebundene CO2 wird freigesetzt. Auch das CO2, das im Waldboden gespeichert ist, wird durch den Einfall von Sonnenlicht und das Umgraben des Waldbodens in die Atmosphäre entlassen.

Kleiner Fakt am Rande: Wer glaubt, dass er mit Holzpellets eine grüne und regenerative Form der Energiegewinnung  für das Heizen gefunden hat, irrt leider aus den oben genannten Gründen. Das gesamte während des Baumlebens gespeicherte CO2 wird beim Verbrennen wieder freigesetzt, so dass sich ein großes Nullsummenspiel ergibt. Nachhaltig ist daran leider wenig, da die ersatzweise angepflanzten Baumschösslinge bis sie nach vielen Jahren eine entsprechende Größe erreicht haben viel weniger CO2 speichern, als Ihre 80 bis 200 Jährigen Vorgänger. Zudem erzeugen sie auch viel weniger Sauerstoff. Mittel- und langfristig sind nur Solar- und Windenergie wirklich nachhaltig! Wald gegen Klimawandel ist nur dann hilfreich, wenn er stehen bleibt, wo er ist.

2. Stunde: Biologie

Der Wald bildet den natürlichen Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten. Zudem ist er heute Rückzugsraum für vormalige Arten des Offenlandes. Während große Tiere wie Luchse und Wildkatzen auch große Waldflächen benötigen, kann man auch in kleinen Wäldern eine beträchtliche Menge einheimischer Tierarten beobachten. Eine Ausnahme bei den Großtieren bilden die Rehe, die auch mit einer verhältnismäßig kleinen Waldfläche auskommen.  Dieses Thema allein ist so umfangreich, dass ich darüber vielleicht mal einen eigenen Artikel schreibe.

Neben Tieren und Menschen nutzt aber auch noch jemand anderes den Wald für sich. Pilze. Diese gehören weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren, sondern bilden eine eigene Klassifikation der Lebewesen. Jedes Baumwurzelwerk ist von Pilzen umgeben und geht mit diesen eine symbiotische Beziehung ein. Das hat wenig mit Romantik zu tun, sondern kommt eher einer Zweckehe nah. Die Pilze schützen den Baum vor Krankheiten (Stichwort: Antibiotika!) und helfen ihm bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Im Gegenzug gibt der Baum bis zu einem Drittel des von ihm erzeugten Traubenzuckers an den oder die Pilze zu seinen Füßen zurück.

Das, was wir landläufig unter Pilzen verstehen kann man sich lediglich als eine Art oberirdische „Blüte“ vorstellen. Der eigentliche Pilz wächst unterirdisch. Und der kann ganz schön groß werden. Das größte Lebewesen der Welt? Ein Blauwal? Ein Mammutbaum? Pfff, peanuts! Im jahr 2000 entdeckten Wissenschaftler einen Hallimasch-Pilz in den USA, der es auf sage und schreibe 900 Hektar Fläche, also 9 Quadratkilometer, bringt und ca. 2400 Jahre alt ist. Dieser ist allerdings noch unromantischer als die „normalen“ Pilze, da er die Bäume in seinem Bereich ausbeutet, woran sie letztlich zugrunde gehen. So konnte man ihn überhaupt erst entdecken, denn die Forscher wollten die Ursache für das mysteriöse Waldsterben herausfinden. Aber bitte merken: Grundsätzlich: Pilze = gut und lebenswichtig für die Bäume! Ohne Wald gibt es aber weder Lebensraum für Tiere noch für Pilze.

3. Stunde: Erdkunde

Das größte Waldgebiet der Erde? Spontan will man „Regenwald, Südamerika“ rufen. Doch tatsächlich ist es die Taiga (genauer gesagt: der Boreale Nadelwald), die mehr oder weniger auf der gesamten Nordhalbkugel vorkommt. Dabei wird großzügig darüber hinweg gesehen, dass zwischen Alaska und Russland ein klitzekleines Meer liegt, denn es geht bei der Einteilung um die Zusammensetzung des Waldes. Und dieser besteht komplett aus alten Nadelbäumen. Nicht diesen armen Fichten, die ihr bei uns auf künstlich geschaffenen Flächen antrefft.

Ja richtig: künstlich geschaffen! Die Fichte gehört hier nämlich überhaupt nicht hin. Die armen Geschöpfe wurden hier nur angesiedelt, weil sie recht schnell wachsen und somit auch recht schnell geerntet werden können. Ein schönes Leben haben sie hier aber nicht. Dieser Baum braucht nämlich wesentlich niedriger Temperaturen, um sich wohl zu fühlen. Bei unserer Witterung fühlen sie sich mehr als unwohl. Ein Zeichen dafür ist die hohe Anfälligkeit gegen Schädlinge (Borkenkäfer), denen die Bäume hier wenig entgegenzusetzen haben. Da so ein Wald nun mal aber recht langsam wächst, denken wir Menschen nach zwei Generationen schon, dass es völlig normal ist, dass bei uns Nadelwälder stehen. Das ist aber keineswegs so! Fragt den Förster Eures Vertrauens!

Letztlich ist egal, wo der Wald steht! Egal ob Regenwald, Taiga oder Schwarzwald: jeder Baum speichert klimaschädliches CO2 und leistet seinen Beitrag gegen den Klimawandel. Aber Wald hilft nicht nur gegen Klimawandel selbst, sondern auch gegen dessen direkte Folgen. Eine Waldfläche ist in der Lage – bis zu einem gewissen Sättigungsgrad – starke Regenfälle aufzunehmen. Diese sind eine direkte Folge, des veränderten Klimas und waren im Jahr 2018 vielerorts in Deutschland im Frühjahr zu beobachten. Versiegelte Flächen können naturgemäß wenig bis gar kein Regenwasser aufnehmen. Dem Regen ist das egal. Er sucht sich seinen Weg. Gerne auch in nahegelegene Keller von Anwohnern.

4. Stunde: Sozialkunde (…oder warum die AFD eigentlich Bäume pflanzen müsste)

Im Fach Sozialkunde wollen wir uns nun aber doch mal dem Regenwald widmen. Kann ja nicht sein, dass der hier nur als Sidekick für die Taiga zum Einsatz kommt. Eine Sache, die jeder Wald, vor allem aber der Regenwald drauf hat, ist ein nahezu perfekter Wasserkreislauf. Das zeige ich Euch am Besten mit dieser tollen Grafik:

wasserkreislauf regenwald

Drei Viertel des Wassers im Regenwald zirkuliert ständig und wird vom Wald recycelt. Wenn man sich vorstellt, dass ein einzelner Baum bis zu 1.000 Liter Wasser am Tag in die Atmosphäre abgeben kann, wird klar, dass etwas fehlt, wenn die Bäume verschwinden. Wie Ihr auf der Grafik oben seht, fließt das Regenwasser durch die Abholzung einfach ab oder versickert im Boden – anstatt in einem Kreislauf wiederverwertet (recycelt) zu werden. Dann können sich keine neuen Wolken mehr Bilden, um Regen zu bringen, es verdunstet weniger Feuchtigkeit in die Atmosphäre. Dadurch drohen Dürren, Flüsse trocknen aus, und an den Wendekreisen können sich sogar Wüsten bilden.

Also nix mehr mit blühenden Feldern und riesigen Viehherden! Durch die Versteppung sind die Menschen in den Entwicklungsländern gezwungen, sich anderswo Ihren Lebenunterhalt zu verdienen. Aus großer Armut entsteht vor allem eines: Völkerwanderungswellen in die reichen Länder. Denn nicht nur Kriege sind Gründe für Massenmigration. Auch der Klimawandel trägt einen großen Teil dazu bei. Was sollen die armen Menschen denn auch machen? Zuerst werden sie gezwungen, Ihren wertvollen Wald für uns zu roden, damit wir hier unsere Burger und argentinischen Rindersteaks futtern können. Und dann halten wir den moralischen Zeigefinger hoch und schimpfen über die ungebildeten Bauern, die Mutter Natur so ausbeuten. Ziemlich pervers!

Ähnlich verhält es sich mit dem Regenwald in Südostasien. Wo einst ein uralter Wald stand, befinden sich heute Palmenplantagen, soweit das Auge reicht. Das Palmöl landet dann wiederum in unserem Essen als billiger Ersatz für höherwertige Öle. Unser Nutella soll ja schließlich nicht zu viel kosten. Und nach zwei Generationen denken die Einheimischen dann: ach, so ein schöner Palmwald. Der gehört einfach hier hin! Wie die Fichten nach Mitteleuropa!

5. Stunde: Sport

Ein kleiner „Bonusnutzen“, den ein Wald mit sich bringt, ist der Erholungsfaktor für die Menschen in seiner Umgebung. Wer den Wald vor Haustür hat, kann vor Ort Joggen und Spazieren gehen. Mit dem Auto zum Sport fahren? Unnötig und klimaschädlich, wenn das Naherholungsgebiet Wald direkt vor der Haustür liegt! Also, die letzte Stunde für heute findet draußen im Grünen statt! Schnappt Euch die Wander- oder Laufschuhe und ab in den Wald! Ein besseres Klima auch an heißen Sommertagen werdet Ihr in keinem Fitnessstudio der Welt finden. Auch indirekt hilft der Wald gegen Klimawandel.

Fazit: Wald gegen Klimawandel – ja, verdammt!

Ich hoffe es ist deutlich geworden, dass Wald gegen Klimawandel hilft und keineswegs nur eine schöne grüne Kulisse für die Tiere und uns Menschen ist (und die Pilze! :-)). Sein Nutzen ist größer, als man auf den ersten Blick annimmt. Hören wir also auf ihn als Ressource zu betrachten, die wir ohne Reue konsumieren können. Mit dem Wald gegen Klimawandel! Nur so geht es!

Und wer durch Surfen im Internet nebenbei mal ein paar Bäume pflanzen möchte, schaut sich auch noch schnell meinen Artikel über den Ecosia Browser an 🙂

Ich hatte eine längere Pause zwischen diesem Artikel und dem vorangehenden, aber beim Recherchieren und Schreiben habe ich wieder richtig Lust auf mehr bekommen. Also vermutlich bis bald! 🙂

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