Pleistozän Park Sibirien – Mit der Vergangenheit die Zukunft retten

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Pleistozän Park Sibirien – Mit der Vergangenheit die Zukunft retten

pleistozän park

Image by skeeze from Pixabay

Eine der spannendsten Terra X Folgen der jüngeren Vergangenheit handelte vom sogenannten Pleistozän Park in Sibirien. Thematisiert wurde das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien und welche Auswirkungen dies auf das globale Klima hat. Dieses Ereignis stellt einen der Kippunkte in den Modellen der Klimaforscher dar: das Schmelzen des Permafrosts würde einen nahezu unaufhaltsamen Klimawandel nach sich ziehen. Im Pleistozän Park in Sibirien versucht ein einmaliges Projekt, das Auftauen des Permafrostes zu verhindern.

Was ist Permafrost überhaupt und warum ist sein Auftauen gefährlich?

Doch zunächst einmal sollten wir klären, was Permafrost überhaupt ist, wo er vorkommt und wieso sein Auftauen solch dramatische Auswirkungen auf das globale Klima hätte. Der Name deutet es bereits an: Permafrost ist Boden, der permanent gefroren ist. Laut Definition fällt darunter jeglicher Boden, der mindestens zwei Jahre ununterbrochen Temperaturen unter 0° Celsius aufweist.

Das größte Permafrostgebiet der Welt liegt in Russland und wird als Tundra bezeichnet. Aber auch große Teile Kanadas und Alaskas haben Permafrostböden. Insgesamt sind ca. 20-25% der gesamten Landmasse auf der Erde Permafrost-Zonen. In diesen riesigen Gebieten liegen große Mengen verendeter Tiere und Pflanzen, die noch nicht von Mikroben zersetzt wurden. Die Mikroorganismen werden erst aktiv, wenn der Boden auftaut. Bei der Zersetzung werden dann Treibhausgase freigesetzt.

Und genau das geschieht jetzt bedingt durch die globale Klimakrise. Sogar Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich nach den verheerenden Bränden in der Taiga im Jahr 2019 mit deutlichen Worten an seine Landsleute gewandt: „Wir müssen alles tun, was wir können, um den Klimawandel zu stoppen.“

Pleistozän Park als Hoffnungsschimmer

Hoffnung im Kampf gegen die Klimakrise kommt nun von einem ehrgeizigen – manche sagen: verrückten – Projekt in Sibirien. Dort ist mit dem sogenannten Pleistozän Park ein wissenschaftlich begleitetes ökologisches Experiment gestartet. Der Name kommt vom Erdzeitalter Pleistozän, das vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann und  vor etwa 11.700 Jahren endete.

Auf einer Fläche von etwa 160 Quadratkilometern soll im Pleistozän Park eine typische Landschaft für dieses Erdzeitalter wiederentstehen – mitsamt der dazugehörigen Tierwelt. In einem eingezäunten Bereich von ca. 16 Quadratkilometern leben Jakutenpferde, Rentiere und Elche. Alle diese Tierarten , bzw. deren direkte Vorfahren, lebten auch schon vor über 10.000 Jahren in Sibirien und sind dementsprechend gut an die Witterung angepasst. Erst der Mensch hat sie dann langsam aus diesen Gebieten verdrängt bis letztlich keine Exemplare dieser Tierarten dort mehr zu finden waren.

Zudem kamen im Pleistozän Park in den Jahren 2010 und 2011 noch Moschusochsen, Wisente und Altai-Marale (eine Hirsch-Unterart) hinzu. Als letztes Puzzleteil wurden im Jahr 2019 mit immensen Aufwänden Bisons über Tausende Kilometer per LKW in de Pleistozän Park transportiert. Dies ist auch in der wirklich sehenswerten oben erwähnten Terra X Folge zu sehen. Auf der Webseite des Pleistozän Park ist es möglich die aktuellen Standorte der Bisons per Bison-Tracker einzusehen.

Permafrost im Pleistozän Park

Doch was hat das alles mit dem Abschmelzen des Permafrostes und somit mit der Klimakrise zu tun? Der Zusammenhang erschließt sich tatsächlich erst beim zweiten Hinsehen. Wenn Schnee auf den aufgeweichten Permafrostboden fällt, hilft dieser nicht wie man vermuten könnte, dass der Boden wieder gefriert. Vielmehr isoliert eine dicke Schneedecke den aufgetauten Boden gegen die kalte Luft, die den Boden sonst gefrieren lassen würde.

Und hier kommen die Tiere ins Spiel: auf ihrer Suche nach Futter, sprich Pflanzen räumen die Elche, Jakutenpferde und Bisons mit ihren Hörnern und Füßen den Schnee auf Seite. Dadurch wird verhindert, dass der Schnee den aufgetauten Permafrost gegen die Kälte isoliert und die Böden frieren wieder ein. Durch das Einfrieren wiederum wird der Zersetzungsprozess der Mikroorganismen verhindert und die Treibhausgase bleiben im gefrorenen Boden, anstatt das globale Klima aufzuheizen. Je größer die Tiere, desto mehr Schnee räumen sie auch weg.

Einmal Mammut à la Jurassic Park bitte

Doch bei den zeitgenössischen Tieren soll nicht Schluss sein. Es gibt ernsthafte Überlegungen die ausgestorbenen Mammuts durch Gentechnik wieder neu zu züchten und im Pleistozän Park als besonders große „Schneeräumer“ wieder auszuwildern. Viel hilft eben viel. Dabei sollen Methoden wie im Film Jurassic Park zum Einsatz kommen. Die ursprünglichen Gensequenzen der Tiere sollen aus Knochen und ggf. im Permafrostboden freigelegten Kadavern gewonnen werden.

Danach sollen mit Hilfe dieser Gensequenzen Elefanten, die nächsten Lebenden Verwandten der Mammuts, so gezüchtet werden, dass die für das Leben in der Kälte nötigen Eigenschaften der Mammuts auf die Elefanten übergehen. Dies sind beispielsweise das dichte Fell und die allgemeine Kälteresistenz.

Fazit: Der Pleistozän Park ist mutig und beschreitet neue Wege

Das Öko-Projekt im Pleistozän Park in Sibirien ist für mich ein echter Mutmacher. Abseits der bekannten Wege (CO2 Vermeidung, weniger Ausstoß von Methan, etc.) müssen auch solch gravierende Themenfelder wie der tauende Permafrostboden in Angriff genommen werden. Wenn dies durch eine Renaturierung und Wiederansiedlung der ursprünglichen Arten in Sibirien möglich ist, ist dies gleich ein doppelter Gewinn für die Natur.

Es kann gar nicht genug betont werden, wie wichtig es ist, die großen Kipppunkte für das Klima zu vermeiden. Daher sollten Projekte wie der Pleistozän Park staatlich gefördert werden. Dass Sendungen wie Terra X sie einem breiten Publikum bekannt machen ist ein erster und wichtiger Anfang.

Wer noch mehr zum Thema CO2 und Klimawandel erfahren möchte, findet in den Artikeln über die Einführung einer CO2 Steuer und die CO2 Speicherung im Boden noch weitere Informationen.

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