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Die Wurmkiste – Bio-Dünger selbst gemacht

wurmkiste

© better-life-blog.de, 2020

Eine Wurmkiste ist eine tolle Möglichkeit, zuhause eigenen Bio-Dünger herzustellen. Wie im letzten Beitrag über Hydroponik zuhause schon angeteasert, werde ich Euch heute zeigen, wie man seine eigene Wurmkiste in Betrieb nimmt.

Das Problem – Flüssigdünger für die Hydroponik

Für mein Hydroponik-Becken benötige ich flüssigen Dünger, mit dem ich meine Nährstofflösung herstellen kann. Aus meinen Recherchen zum nachhaltigen Kaffeegenuss hatte ich noch im Kopf, dass man einen sehr guten Kompost mit einer Wurmkiste erzeugen kann. Puzzleteile zusammengefügt und fertig ist die Kreislaufwirtschaft im Gemüseanbau J

Denn neben wertvollem Kompost für den Garten, entsteht in einer Wurmkiste eine Flüssigkeit, die Kenner liebevoll als „Wurmtee“ bezeichnen. Diese Flüssigkeit sammelt sich unten in der Wurmkiste und ist ein natürlicher, konzentrierter Flüssigdünger von erstklassiger Qualität. Aber fangen wir vorne an.

Was ist eine Wurmkiste?

Eine Wurmkiste ist ein Kompost-Komplettsystem. Das Schöne daran: man kann es direkt in der Küche aufstellen, wo die meisten Bio-Abfälle entstehen. Anders als beim Komposthaufen im Garten, wo man die Kompostierung mehr oder weniger die Natur erledigen lässt ohne Einzugreifen, wird beim Aufbau der Wurmkiste eine Startpopulation Würmer mit eingesetzt. Diese hohe Dichte an Würmern ist nötig, damit das Prinzip funktioniert.

Einmal aufgebaut ist die Wurmkiste sehr pflegeleicht. Anfangs muss man noch aufpassen, dass man nicht zu viele Bio-Abfälle hineinlegt, damit die Würmer noch nachkommen. Doch bereits nach wenigen Wochen verdoppelt sich die Wurmpopulation und wird immer hungriger. Ein kleines Kompost-Kraftwerk ist entstanden. Üble Gerüche in der Wohnung braucht man nicht zu fürchten. Wenn die Kiste geschlossen ist, riecht man wenig bis nichts. Wenn sie zur Fütterung oder Belüftung geöffnet wird, riecht es nach Wald.

Was fressen die Würmer?

Man sollte seine Würmer nicht mit dem Biomülleimer verwechseln. Zwar landen ab sofort alle Arten von Gemüse- und Obstabfällen bei Euren neuen Haustieren in der Wurmkiste. Aber: Knochen, Fleisch, Milchprodukte, Brot, Gekochtes Essen, Gesalzenes und Verschimmeltes gehören nicht in die Wurmkiste. Bestenfalls können die Würmer nichts damit anfangen, schlimmstenfalls schadet Ihr ihnen damit.

Wenn Ihr Euren Kompostwürmern etwas Gutes tun wollt gebt Ihr ihnen:

  • Obstreste (und –schalen)
  • Teebeutel
  • Kaffeepads, bzw. Kaffeesatz
  • Blätter
  • Gemüsereste
  • Zeitungspapier und Karton

Vor allem auf Letzteres sind die Würmer angewiesen. Die Nahrung sollte zu 20% aus alten Zeitungen (echte Zeitungen, keine Hochglanzmagazine) und Karton bestehen denn die Würmer benötigen die enthaltenen Fasern. Trockenes wird allerdings nicht verwertet, daher solltet Ihr gerade Zeitungspapier und Karton etwas einweichen.

Wurmtee – Der Flüssigdünger Marke selbstgebraut

Dass in der Wurmkiste Kompost entsteht, ist offensichtlich. Diesen könnt Ihr ca. alle 4-6 Monate entnehmen und damit die Erde in Eurem Garten oder bei den Zimmer- und Balkonpflanzen erheblich verbessern. Dieser natürliche Dünger stellt den Pflanzen wertvolle Nährstoffe zur Verfügung und lockert den Boden auf, was sich positiv auf die Sauerstoffaufnahme der Pflanzen auswirkt.

Aber für mich war das nicht der Hauptgrund, mir eine eigene Wurmkiste anzuschaffen. Wie im Blog-Beitrag über meinen Hydroponik-Selbstversuch schon angedeutet, bin ich auf das flüssige Gold der Wurmkiste scharf. Denn bei der Kompostierung durch die Würmer entsteht nicht nur der Kompost, sondern auch eine Flüssigkeit, die Wurmtee genannt wird. Hierbei handelt es sich um eine Lösung mit sehr hoher Konzentration an Nährstoffen. Genau diesen Flüssigdünger brauche ich für mein Hydroponik-Becken. So wachsen die Gemüsepflanzen, deren Reste ich dann wiederum in der Wurmkiste kompostiere. Et voilà, fertig ist die Kreislaufwirtschaft 🙂

Aufbau der Wurmkiste im Eigenbau

Ok, Eigenbau ist vielleicht etwas übertrieben. Da ich mein handwerkliches Talent ganz gut einschätzen kann (als nicht soooo prall), habe ich mich gegen einen kompletten Eigenbau entschieden und stattdessen für eine vorgefertigte Lösung eines österreichischen Anbieters. Diese beinhaltet die zugeschnittenen Bauteile und alle Materialien, die zum Aufbau benötigt werden. Zwar gibt es die Wurmkiste auch komplett fertig montiert auf der Webseite, aber ein bisschen Do-it-yourself Feeling wollte ich schon haben 🙂

zubehör und bauteile der wurmkiste
Die Einzelteile der Wurmkiste

Ca. eine Woche nach der Bestellung stand meine neue Wurmkiste gut verpackt vor mir. Ein wichtiger Tipp gleich vorweg: ich empfehle die Würmer nicht zusammen mit der Wurmkiste zu bestellen. Der Aufbau der Kiste dauert zwar nur knapp zwei Stunden. Wenn Ihr aber aus irgendwelchen Gründen nicht sofort dazu kommt, müssen die Würmer unnötig lange in dem Beutel bleiben, in dem sie versendet werden. Auch der Hersteller empfiehlt eine spätere Bestellung der Kompostwürmer aus genau diesem Grund.

Montage der Wurmkiste

Dem Paket liegt eine ausführliche Anleitung bei. Ich empfehle aber das Youtube-Video des Herstellers, in dem der Aufbau komplett erklärt und vorgemacht wird:

Zunächst werden der Boden und die Seitenteile zusammengesetzt. Etwas Leim hilft dabei, dass alles schön fest und dicht ist.

montage der wurmkiste
Alles schön festleimen

Danach kommt ein wichtiger Schritt. Rund um das Bodenstück herum muss die Kante zu den Seitenteilen hin mit Leim abgedichtet werden. Erinnert Euch an den Wurmtee. Dieser soll sich ja unten in der Auffangwanne sammeln – und nicht in Eurer Küche.

fugen gut abdichten
Wichtig: Abdichten der Fugen mit Leim

Praktischerweise steht die Wurmkiste auf Rollen. Damit könnt Ihr kinderleicht den Standort wechseln, wenn Ihr den Raum anderweitig benötigt oder die Kiste zum Lüften nach draußen fahren wollt.

rollen montieren
Die Rollenhalterung wird am Besten mit dem Akkuschrauber montiert

Fertig montiert macht die Kiste schon was her. Ich habe mich für das etwas teurere Modell mit Sitzkissen entschieden. Es gibt aber auch eine günstigere Variante mit einfachem Holzdeckel.

fertige wurmkiste
Fertige Wurmkiste

Jetzt muss das neue Zuhause für unsere Würmer vorbereitet werden. Bei mir geschah dies ca. eine Woche nach der Montage denn wie oben geschildert habe ich die Würmer separat bestellt. Wie bereits erwähnt, sind die Fasern von Karton und Zeitungen extrem wichtig für unsere Wurmpopulation. Womit dann auch gleich ein sinnvoller Verwendungszweck für den Karton gegeben wäre, in dem die Wurmkiste geliefert wird. In der Wurmtee-Tasse, dem unteren Einsatz der Wurmkiste wird eine komplette Seitenwand des Kartons mit viel Wasser eingeweicht und bildet die unterste Schicht in der Wurmkiste.

karton gut einweichen
Karton vorm Einsetzen gut einweichen

Darauf werden dann behutsam die Würmer aus dem Beutel gegeben. Mit im Beutel ist ausreichend Komposterde und auch Futter für den Start. Wichtig: die Würmer sollen in den ersten drei Tagen nach dem Einsetzen noch kein Futter erhalten. Sie brauchen ein bisschen Eingewöhnungszeit. Am besten lasst ihr die Wurmkiste drei Tage ungeöffnet links liegen auch wenn es schwerfällt. Denn natürlich möchte man seine neuen Haustiere ja auch ein bisschen beobachten. Zu guter Letzt wird oben die mitgelieferte Kokosmatte aufgelegt, damit die Feuchtigkeit in der Kiste bleibt.

erstbesiedlung
Die Würmer im neuen Zuhause

Nach einer Woche schaut das Ganze dann schon so aus. Die ersten Küchenabfälle liegen in der Wurmkiste und die Würmer krabbeln fleißig durch ihr neues Wohngebiet. Anfangs braucht alles seine Zeit aber ca. alle vier Wochen verdoppelt sich die Wurmpopulation, so dass immer schneller kompostiert wird. Das machen die Würmer übrigens nicht im Alleingang. Sie sind auf Mikroorganismen angewiesen, die die Bio-Abfälle für sie zersetzen. Ein faszinierender Kreislauf.

wurmkiste nach einer woche
Wurmkiste nach ca. einer Woche

Fazit: Eine Wurmkiste in der Küche erspart lange Wege zum Biomüll und liefert tollen Dünger

Ich möchte die Wurmkiste nicht mehr missen. Nicht nur, dass ich mir die Hälfte der Wege zur Biotonne spare. Ich erhalte besten Kompost und Dünger und das in Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Wie ein kleines Kind freue ich mich schon auf die erste Ernte meines Hydroponik-Systems, nur um die Abfälle dann an meine Würmer zu verfüttern und daraus neuen Dünger für das Hydroponik-System zu gewinnen.

Aber auch in der Familie sind die Würmer mittlerweile angenommen. Während meine Frau anfangs eher verhalten darauf reagiert hat, diese neuen Mitbewohner in der Wohnung zu begrüßen, war unsere Tochter von Anfang an begeistert. Gerade mit ihr macht es besonders Spaß, sich den natürlichen Kreislauf anhand der Wurmkiste vor Augen zu halten. Kinder stellen einfach tolle Fragen, sind neugierig und möchten die Zusammenhänge wissen. Wo Erwachsene Dinge als gegeben hinnehmen, regen sie uns immer wieder zum Nachdenken an. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man Kindern die natürlichen Abläufe anhand eines Praxisbeispiels erklären kann. Dass dazu nicht immer ein eigener Garten nötig ist, zeigen die Beispiele des Hydroponik-Beckens und der Wurmkiste.

Zum Abschluss noch ein kleines Video meiner Wurmkiste:

UPDATE August 2020:

Nachdem meine Wurkiste jetzt 2 Monate in Betrieb ist, habe ich ein kleines Update-Video für Euch gedreht. Die Kompostierung hat eingesetzt und ich kann auch schon meinen ersten Flüssigdünger ernten, der gleich mal in die Nährstofflösung für die Nachwuchs-Hydroponikpflanzen wandert. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert 😉

 

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