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Das Coronavirus und die Klimakrise

coronavirus und die klimakrise

© fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de

Oje, das Coronavirus und die Klimakrise in Zusammenhang setzen? Das kann ja nur Ärger geben. Ich möchte es trotzdem tun denn ich glaube, dass man diese beiden alles dominierenden Themen nicht nur miteinander in Verbindung bringen kann, sondern es sogar muss.

Ruhig, Brauner

Um bei einigen den Schaum vorm Mund gar nicht erst aufkommen zu lassen: ich denke, dass das Coronavirus eine ernste Bedrohung für die betroffenen Risikogruppen ist und freue mich keineswegs über die von einigen Stellen betonte Entlastung für das Klima, bzw. den Planeten. Zwar ist dieser Effekt durch den nahezu zeitgleichen weltweiten Einbruch von Wirtschaft und Transportwesen nachweisbar. Ich wünschte dennoch, dass es dazu nicht einer Pandemie bedurft, sondern einfach nur Einsicht und Vernunft genügt hätten.

Wissenschaft ungleich Wissenschaft?

Eine Einsicht, für die vornehmlich die Wissenschaft sorgen kann. Während beim Coronavirus alle den echten Experten, also den Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema auskennen, zuhören und sich beraten lassen ist dies beim Klimawandel immer noch nicht der Fall. Nochmal eine Klarstellung: ich finde es verdammt richtig, dass die Experten endlich ernst genommen werden und den Politikern die Wege aus dieser globalen Krise zeigen. Was sich mir nicht erschließt ist, was diese Wissenschaftler unterscheidet von den Wissenschaftlern, die uns seit Jahrzehnten vor einer ebenso großen, wenn nicht noch größeren Bedrohung für die Menschheit warnen, nämlich vor einer globalen Klimakrise.

Sind Ärzte und Virologen also bessere, glaubwürdigere Wissenschaftler als Klimaforscher? Natürlich nicht! Ich kann es mir nur so erklären, dass die Bedrohung durch das Coronavirus ernster genommen wird, weil es greifbarer ist. Die Kranken und Toten sehen wir. Sie sind nicht so abstrakt, wie ein sich langsam änderndes Klima. Sie sind nicht so weit weg, wie hungernde Menschen in Afrika, deren Ernten ausbleiben, weil kein Regen mehr fällt. Sie sind uns nicht so egal, wie die bis zu 130 aussterbenden Tier- und Pflanzenarten pro Tag!

Coronavirus, SARS-CoV-2 oder COVID-19?

Apropos Wissenschaft: auch ich gebrauche den Begriff Coronavirus falsch, weil er sich mittlerweile durch die mediale Berichterstattung so eingebürgert hat. Coronaviren sind eine Gruppe von Viren, die bei Menschen zu unterschiedlichen Atemwegserkrankungen führen können. DAS Coronavirus ist also eigentlich falsch, denn es ist nur eines von vielen. Das neue Coronavirus, von dem im Moment alle sprechen, wird von den Wissenschaftlern Sars-CoV-2 genannt. Der Name deutet die Verwandtschaft zum SARS-Virus an, dass 2002/2003 in Asien wütete. Menschen, die an dem Virus Sars-CoV-2 erkranken, bekommen die Krankheit COVID-19. Im Folgenden nenne ich es dann auch weiterhin einfach Coronavirus. Gemeint ist damit dann Sars-CoV-2.

Die Ohnmacht der Populisten

Zwei Dinge hat uns das Coronavirus mal eben nebenbei gezeigt: Demokratien sind genauso handlungsfähig wie Diktaturen, wenn es hart auf hart kommt. Und Populisten sind ohnmächtig bei wirklich wichtigen Dingen. Am Anfang der Corona-Epidemie in China staunten einige im Westen noch über die Handlungsfähigkeit der Chinesischen Regierung. Schon wurde gemutmaßt, dass so eine strikte Eindämmung in den westlichen Demokratien mit ihren freiheitsliebenden Bürgern niemals möglich sei. Dies wurde sogar zu einem „Kampf der Systeme“ hochstilisiert, bei dem sich im Umgang mit der Krise zeigen würde, ob das chinesische Modell dem Westlichen überlegen sei.

Wir wissen nun, dass damit sowohl die Demokratien als auch ihre Bürger unterschätzt wurden. Lässt man einige seltsame Ausprägungen, wie rational nicht ganz nachvollziehbare Hamsterkäufe mal außen vor, haben sich auch die sonst so umgangs- und reisefreudigen Menschen der westlichen Demokratien nach kurzer Anlaufzeit vorbildlich an die neue Situation angepasst.

Und während Populisten wie Trump und Bolsonaro anfangs noch tönten, dass die Berichterstattung übertrieben sei und es sich um Fake News handele, mussten sie wenig später einräumen, dass es eine sehr reale Bedrohung ist und wurden sogar selbst getestet. Offiziell negativ. Nun ja…

Fakt ist, dass diese Leugnungs- und Verschleppungstaktik dazu geführt hat, dass die USA mittlerweile mit Abstand die meisten Fälle von am Coronavirus erkrankten Menschen weltweit haben – noch vor China und Italien. Man kann nicht deutlich genug betonen, dass die handelnden Personen mit ihren falschen Aussagen, die konträr zu den wissenschaftlichen Fakten stehen, die Ausbreitung des Coronavirus in ihrer eigenen Bevölkerung nicht verhindert, sondern gefördert haben.

Coronavirus und die Klimakrise sind globale Probleme

Ich habe Anfang März schon darüber geschrieben, dass und warum Populisten an globalen Problemen scheitern. Niemals hätte ich gedacht, dass keine vier Wochen später schon ein für alle Menschen weltweit sichtbarer Beweis für dieses Versagen bei den wirklich wichtigen Problemen sichtbar wird. Große Freude kommt aber leider nicht bei mir auf.

Das Coronavirus und die Klimakrise sind globale Probleme, die nur global gelöst werden können. Hier endet die Macht von Nationalisten und Populisten. Das Coronavirus und die Klimakrise kennen keine Ländergrenzen. Sie kennen keine politischen Systeme. Sie kennen keine Parteien. Nur ein entschlossenes Handeln der Mehrheit der Weltbevölkerung kann sie stoppen. Staatliches Klein-Klein führt in beiden Fällen in die Katastrophe.

Vorfahrt für die Wirtschaft?

Und jetzt kommt der Haken an der Sache für Wirtschaft und Politik. Wir alle haben jetzt gesehen, dass es sehr wohl möglich ist, bei Gefahr im Verzug entschlossen zu handeln. Es ist möglich, die Wirtschaft in einem nie geahnten Tempo zu ändern, um Menschleben zu retten. Es ist möglich, dass Demokratien schnell, effizient und entschlossen handeln, um ein globales Problem zu lösen und ihre Bürger zu schützen.

Wir alle sollten den Politikern für ihr mutiges Handeln danken. Wir alle sollten ihnen verzeihen, wenn sie zugeben, die Lösung nicht zu kennen und jeden Tag aufgrund der aktuellen Erkenntnisse neu zu bewerten. Für mich unterstreicht das nur ihre Glaubwürdigkeit. Denn nur Dogmatiker behaupten alles zu wissen und hinterfragen sich nicht. Der Zweifel ist der Kern aller Wissenschaft, denn auch Wissenschaftler hinterfragen sich ständig. Aus diesem Grund können ihre Hypothesen auch nach 1.000 Versuchen immer nur gestützt und nie bewiesen werden. Sie gelten immer nur solange bis sie widerlegt sind.

Aber jetzt, wo wir sehen und wissen, dass entschlossenes Handeln möglich ist: sagt uns bitte nie wieder, dass es lange Zeit braucht, wie Wirtschaft an die Herausforderungen der Klimakrise anzupassen. Dass man in Demokratien nun mal langsame Prozesse hat, um auch jeden mitzunehmen. Dass man nicht von heute auf morgen alles umstellen kann. „Wir wollen ja, aber wir können nicht“ wird niemand mehr glauben! Wer zukünftig sagt, dass er keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen wird, der soll bitte so ehrlich sein und sagen „Ich WILL einfach nicht!“.

Fazit: Das Coronavirus und die Klimakrise lassen sich nicht isoliert betrachten

Das Coronavirus und die Klimakrise erfordern weltweites, vereintes Handeln. Das Virus zeigt, dass dies auch möglich ist. Vorausgesetzt die Bedrohung wird ernst genug genommen. Es zeigt, dass Unternehmen binnen Tagen ihre Produktion anpassen können. Vor einer Woche noch Autos gebaut, heute werden Beatmungsgeräte hergestellt. Vor einer Woche noch Schnaps gebrannt, heute brodelt Desinfektionsmittel in den Kesseln.

Sowohl Demokratien als auch Unternehmen können sich also schnell und drastisch ändern, wenn sie das wollen und müssen. Das ist ermutigend. Einerseits. Andererseits macht es auch traurig, wie wenig ernst also scheinbar die Klimakrise von den Mächtigen weltweit genommen wird. Vielleicht, weil es sie einfach nicht in dem Maße betrifft, wie die Drittweltländer, die sie schon heute spüren? Würden wir alle 200 Jahre alt werden und wüssten die Älteren, handelnden Personen, dass auch sie zu Lebzeiten noch die dramatischen Folgen der Klimakrise spüren würden, vielleicht hätten wir dann schon lange Maßnahmen ergriffen, um sie aufzuhalten.

Dennoch möchte ich mit einem ermutigenden Gedanken schließen: China, Europa und die USA haben es geschafft, binnen Wochen komplette Gesellschaften und Volkswirtschaften zu ändern und ihre Bürger beim Übergang zu unterstützen. Dazu bedurfte es einer globalen Katastrophe. Lasst uns  nicht bis zur nächsten warten!

3 Comments

  1. Avatar Nerdup.me sagt:

    Da hast du absolut recht! Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, dass auch jeder versteht, dass die Klimakrise ein noch viel elementareres und bedrohlicheres Problem als dieses Virus ist. Seit Jahrzehnten predigen das die Wissenschaftler, aber durch Greta wurde die Gesellschaft erst aufmerksam. Trotzdem passiert auf politischer Ebene wie auch in den Unternehmen noch immer nicht genug. Muss es erst eine wirtschaftliche Bedrohung darstellen, damit alle es verstehen?

    • andreas andreas sagt:

      Leider scheint es in der Tat so zu sein, dass wirtschaftliche Interessen dem Kampf gegen die Klimakrise entgegenstehen. Doch der Umgang mit dem Coronavirus zeigt, dass es möglich ist, als Gesellschaft einen Handlungsdruck aufzubauen, der stärker ist als das, was die Wirtschaftlobby den Politikern suggeriert. Am Ende des Tages werden die immer noch von den Bürgern gewählt, selbst wenn sie die Gesetze eher für die Wirtschaft als für die Allgemeinheit machen. Ein gutes Stück weit haben wir es also immernoch in der Hand, wenn wir uns alle einig sind und auf die Straße gehen, wo die Politker uns auch sehen. Wer das nicht möchte kann seinem Bundestagsabgeordneten auch Mails und Briefe schreiben. Selbst wenn nicht jeder Brief persönlich beantwortet wird. Gelesen und zusammengefasst weitergegeben werden sie alle!

  2. […] Situation gibt, dann ist es wohl, dass zukünftig in eine Arbeitswelt vor und eine Arbeitswelt nach SARS-CoV-2 unterschieden werden […]

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