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Kostenloser Nahverkehr in Luxemburg – Vorbild auch für Deutschland?

kostenloser nahverkehr in luxemburg

© Rainer Sturm / pixelio.de

Diese Woche war das Thema kostenloser Nahverkehr in Luxemburg groß in den Medien. Zumindest soweit das Coronavirus noch ein bisschen Platz für andere Themen ließ. Die Luxemburger Regierung hat beschlossen, die öffentlichen Nahverkehrsmittel allen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich werden Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur genehmigt. Trägt dieses Modell auch für Deutschland?

Kostenloser Nahverkehr in Luxemburg aus der Not geboren

Statt sich als Pioniere bei der Mobilitätswende feiern zu lassen, geben die Luxemburger zu, dass diese radikale Maßnahme eher aus der Not geboren wurde. Kostenloser Nahverkehr in Luxemburg soll die Probleme der immer weiter zunehmenden Verkehrsbelastung lösen. 41 Millionen pro Jahr kostet die Abschaffung der Ticketpreise die luxemburger Steuerzahler pro Jahr.

Dafür ist die Nutzung von Bus und Bahn ab dem 01.03.2020 für alle kostenlos. Ticketschalter und –automaten werden abgebaut. Die Kontrolleure werden nicht entlassen, sondern bekommen neue Aufgabenfelder im Service Bereich. Kostenpflichtig bleibt allein die erste Klasse der Bahn. Umverteilung einmal anders J

Doch die Gratisfahrten sind nur ein Teil des Weges der Luxemburger zu einer kompletten Verkehrswende. Denn: Luxemburg erstickt im Verkehr! Daran ist nicht zuletzt das immense Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre und Jahrzehnte schuld. Die Bevölkerung ist in den vergangenen beiden Jahrzehnten um mehr als ein Drittel gewachsen. Dazu kommen noch ca. 200.000 Pendler, die täglich aus den umliegenden Ländern nach Luxemburg kommen.

Stau und Wohnungsmangel

Das Ergebnis: morgens und abends Stau auf allen Straßen. Und das an jedem Tag. Nicht viel besser sieht es auf dem angespannten Wohnungsmarkt aus. Die Preise gehen durch die Decke und Neubauten werden nicht schnell genug gebaut.

Aus der Not machen die Luxemburger aber kurzerhand eine Tugend: durch die auf Dauer unhaltbare Situation zu einem Wandel gezwungen, setzen sie auf kostenlosen Nahverkehr, um eine echte Alternative zum Auto zu schaffen. Das Ziel ist es, mehr Menschen vom Individualverkehr hin zum öffentlichen Nahverkehr zu bringen.

Situation in Deutschland

Und wie sieht es in Deutschland aus? Kostenloser Nahverkehr ist hier erst mal kein Thema. Stattdessen wird der Autoindustrie weiterhin der Hinterm gepampert. Die Kommunen, in deren Hoheit hierzulande der ÖPNV liegt sind skeptisch. So lässt sich der Städte- und Gemeindebund damit zitieren, dass ein kostenloser öffentlicher Personennahverkehr in Deutschland derzeit nicht umsetzbar sei. Der ÖPNV sei bereits enorm bezuschusst und der Ausbau der Infrastruktur würde unter einer solchen Maßnahme leiden.

Was dabei aber nicht bedacht wird: durch die stärkere Nutzung des ÖPNV könnten viele Kosten im ebenfalls in Form von Straßen- und Brückenbauten bezuschussten Individualverkehr eingespart werden. Ein guter Anfang wäre zum Beispiel ein nicht funktionierendes PKW-Mautsystem, bei dem die Steuerzahler auch noch draufzahlen, weil es von vorneherein rechtswidrig war.

Aber es gibt auch konstruktive Vorschläge aus den Gemeinden. So wird vom Kreis Landsberg vorgeschlagen zunächst mal das Kostenmodell für den ÖPNV bundesweit zu vereinheitlichen. Im nächsten Schritt wäre dann ein in allen Verkehrsbünden gültiges Ticket denkbar. Dieses könnte man dann staatlich je nach Einkommen bezuschussen und wäre zumindest einen großen Schritt näher an einer Verkehrswende.

Kostenloser Nahverkehr in Luxemburg hat Vorbildcharakter

Wie bereits in früheren Posts geschildert, bin ich ein großer Freund des Bahnfahrens. Von daher ist kostenloser Nahverkehr in Luxemburg für mich natürlich ein sehr gutes Projekt mit Vorbildcharakter auch für Deutschland und alle anderen Länder der Welt. Was man aber berücksichtigen muss: die Luxemburger haben nicht einfach die Fahrpreise abgeschafft, sondern eben auch Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur angekündigt.

Da die Infrastruktur der Deutschen Bahn in den Jahren vor dem letztlich geplatzten Börsengang ziemlich runtergewirtschaftet wurde, sind die Investitionszwänge in Deutschland ungleich höher. Mit Signalanlagen aus der Kaiserzeit (kein Witz!) ist die Mobilitätswende hierzulande nicht zu schaffen.

Wenn auch in Deutschland und anderen Ländern die Ticketautomaten abgebaut werden sollen, sind also noch einige Investitionen nötig.

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