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Wald gegen Klimawandel
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eine million für den hambacher forst

© Claus Weisweiler / pixelio.de

Mit Erstaunen und Freude habe ich gelesen, dass Ecosia eine Million für den Hambacher Forst bietet. Das Konzept von Ecosia hatte ich Euch ja bereits vor ein paar Monaten hier in einem Artikel  vorgestellt. Nun möchte der Betreiber der grünen Suchmaschine ein durchaus medienwirksames Zeichen setzen im Kampf gegen den Klimawandel.

Offener Brief von Ecosia

Hier die Ankündigung von Ecosia im Originalwortlaut:

 

Lieber Ecosianer,
Liebe Ecosianerin,

Wir bieten der RWE AG 1 Million Euro für die verbliebene bewaldete Fläche des Hambacher Forsts, um sie als intaktes Ökosystem und für die Öffentlichkeit zugänglich zu bewahren.

Sicher hast Du schon vom Hambacher Forst gehört. Es handelt sich um einen einst über 4.000 Hektar großen Wald in Nordrhein-Westfalen, von dem heute noch circa 200 Hektar stehen. Die Fläche wurde vom Grundstückseigentümer, dem Energiekonzern RWE gerodet, um vor Ort Braunkohle abzubauen. Braunkohle ist die klimaschädlichste unter den Strom-Quellen und nach aktuellen Studienergebnissen langfristig nicht mehr notwendig, um Deutschland mit Strom zu versorgen. Nun sollen auch die verbleibenden Hektar des Forsts ab Mitte Oktober zwecks des Braunkohleabbaus abgeholzt werden.

Der Hambacher Forst ist Teil eines urzeitlichen Ökosystems, das man so nicht wieder herstellen kann. Einige Bäume sind Schätzungen zufolge über 300 Jahre alt und wie Du als Ecosia-Nutzer*In bestimmt weißt, ziehen Bäume CO2 aus der Luft und schützen sogar unser Klima. Der Forst ist ein einzigartiges Stück Natur und besonders schützenswert. Dieses Biotop für klimaschädliche Braunkohle unwiederbringlich zu zerstören, ist inakzeptabel.

Genau deshalb wehren sich so viele Menschen und Institutionen gegen die Abholzung des Hambacher Forsts. Doch trotz dieses Kampfes, der derzeit an so vielen Fronten und über alle Differenzen hinweg für den Hambacher Forst und gegen RWE geführt wird, rückt der geplante Rodungsstart näher.

Auch wir haben, wie so viele andere, in den letzten Wochen wiederholt unsere Stimme für den Hambacher Forst erhoben und unsere Plattform genutzt, um andere zu informieren, wie zum Beispiel hier. Vergangenen Samstag waren wir gemeinsam mit 50.000 Menschen auf der Demo vor Ort. Über unsere Social Media Kanäle haben wir unsere Eindrücke geteilt. Es war unglaublich! Dieser Wald bewegt alle. So haben schon über 800.000 Menschen die Petition von Greenpeace zum Schutz des Forsts unterschrieben. Und eine Umfrage zeigt, dass 75% der Deutschen den Hambacher Forst bewahren wollen.

Das OVG Münster hat auf Antrag des BUND vergangenen Freitag (5.10.2018) sogar einen vorläufigen Rodungsstop erzwungen. Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass der Forst gerettet ist. Bevor alles von vorne losgeht, muss der Situation ein Ende gesetzt werden.

Der Kampf um den Hambacher Forst ist längst nicht mehr nur ein Kampf um ein Stück Wald. Es ist ein Kampf für den Klimaschutz und für eine Energiewende geworden. Es ist ein Kampf, den die Menschen aufgenommen haben, weil die Politik sich als handlungsunfähig gegenüber den Lobbyisten der Energiekonzerne zeigte. Deshalb muss der Hambacher Forst umso mehr erhalten werden: als schützenswertes Ökosystem und als Symbol für den Klimaschutz.

Nun haben wir uns bei Ecosia gefragt, was wir noch tun können. Wir möchten niemanden bloßstellen und niemandem schaden, sondern einen Weg finden, auf dem RWE nicht verliert und der Wald dennoch für die Öffentlichkeit erhalten bleiben kann. Deshalb haben wir uns entschieden, der RWE AG ein Kaufangebot zu machen.

Wir bieten 1 Millionen € für die verbleibenden bewaldeten Hektar des Hambacher Forsts. Angesichts des Grundstückspreises, den RWE einst zahlte, ist dies ein faires Angebot. Bedenkt man die von RWE angeblich erwarteten Umsätze vom Verkauf des dort abgebauten Braunkohlestroms, ist es vielleicht nicht genug. Doch dieser Betrag liegt für uns im Rahmen des Möglichen und wir rufen andere Unternehmen und Institutionen auf, in unser Angebot miteinzusteigen und es so zu erhöhen.

Der Hambacher Forst muss als Lebensraum, als Symbol und für die Öffentlichkeit zugänglich erhalten bleiben.

Wir hoffen auf Deine Unterstützung!

Liebste Grüße,

Dein Ecosia-Team

P.S.: Wie Du weißt, nutzen wir unsere Gewinne, um Bäume zu pflanzen. Dafür nutzen wir unseren sogenannten “Tree-Fund”. Die 1 Million Euro, die wir für den Hambacher Forst bieten, entstammen NICHT diesem Tree-Fund. Das Geld sind unsere Rücklagen, die wir für Notfälle und schwierige Zeiten gebildet haben. Das erste Mal, dass wir unsere Rücklagen genutzt haben, war, um eine Solaranlage zu bauen, durch die wir Ecosia zu 100% mit erneuerbarer Energie betreiben können.

 

Wie kann ich helfen?

Zunächst einmal natürlich, indem man das Ecosia Browser Plugin auf dem Computer oder die Browser App auf dem Smartphone installiert und statt anderer Suchmaschinen nutzt. Das hilft Ecosia Einnahmen zu generieren und somit letztlich den „Regelbetrieb“, d.h. das Pflanzen von Bäumen in Entwicklungsländern und solche außergewöhnlichen Aktionen wie jetzt beim Hambacher Forst zu finanzieren. Eine Million für den Hambacher Forst muss halt erst mal erwirtschaftet werden.

Stand der Dinge

Auf dem Ecosia Blog gibt es mittlerweile zwei Updates zu dem offenen Brief. Im ersten wird beschrieben, dass sich RWE offenbar der Realität und dem öffentlichen Druck zumindest in Teilen beugt. So hat der Konzern angekündigt, seinen Kohleabbau um 25% zu reduzieren. An anderer Stelle habe ich sogar die Zahl 38% gefunden. Man muss hier jedoch noch ein wenig auf die Euphoriebremse treten: RWE kann die Förderung jederzeit wieder hochfahren, wenn die Gerichte entscheiden, dass der Hambacher Forst vernichtet werden darf.

Das zweite Update scheint diese These zu bestätigen. So wird berichtet, dass RWE das Angebot von Ecosia abgelehnt hat. Die Begründung von RWE lautet, dass man derzeit zuversichtlich sei, den Gerichtsprozess zu gewinnen und dann mit dem Abbau der Kohle fortfahren zu können.

Eine Million für den Hambacher Forst – gratis Marketing oder ernstes Angebot?

Kritisch betrachtet kann man sich natürlich schon fragen, ob diese Aktion nicht nur eine werbeträchtige Maßnahme von Ecosia ist, um bundesweit öffentlichkeitswirksam in Erscheinung zu treten. Ich persönlich denke, dass das Angebot über eine Million für den Hambacher Forst durchaus ernst gemeint ist, dass man bei Ecosia die Marketingaspekte aber sicherlich auch gerne mitnimmt. Aber ist das verwerflich? Sollte sich herausstellen, dass Ecosia das Angebot über eine Million für den Hambacher Forst gar nicht finanzieren könnte, dann kann man hier sicherlich von einer großen Täuschung und Werbekampagne in eigener Sache sprechen. Zumal die Wahrscheinlichkeit, dass RWE auf das Angebot eingeht nicht sehr groß ist.

Da Ecosia großen Wert auf Transparenz legt, kann sich aber jeder selbst vom finanziellen Zustand des Unternehmens überzeugen. Denn Ecosia legt monatlich seine Finanzberichte offen. Im Jahr 2018 gab es nur einen Monat (Juni), in dem Ecosia für weniger als 300.000€ Bäume gepflanzt hat. Dazu kommen monatlich noch etwa 50.000€, die in Rücklagen gesteckt werden. Man kann also leicht hochrechnen, dass Ecosia das Angebot für RWE durchaus stemmen könnte und es sich hier um ein finanzstarkes Unternehmen handelt und keineswegs um eine Luftnummer. Schaut Euch die Links im Artikel an und macht Euch selbst ein Bild. Ecosia schafft auf seiner Seite nicht nur Transparenz über die Finanzberichte, sondern auch die Projekte werden dort regelmäßig und ausführlich vorgestellt. Die zusätzliche Aufmerksamkeit durch das Kaufangebot über eine Million für den Hambacher Forst kann ich dem Unternehmen gut gönnen. Für mich ist und bleibt Ecosia eine ausdrückliche Empfehlung!

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