Saubere Luft…aus dem Fabrikschlot?!

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Saubere Luft…aus dem Fabrikschlot?!

saubere luft

In dieser Anlage wird Luft gefiltert statt verpestet (Quelle: Chinese Academy of Sciences)

Das Thema Saubere Luft ist nicht zuletzt durch die Diesel-Affäre bei Volkswagen in aller Munde. Darüber habe ich ja bereits ausführlich berichtet. Waren wir in Deutschland lange Zeit vorne im Rennen um erneuerbare Energien und Umweltschutz, hängt uns ein vor zehn Jahren noch ungeahnter „Konkurrent“ mittlerweile immer mehr ab: China. Ich möchte Euch im Folgenden gerne ein neues Projekt vorstellen, das in der chinesischen Großstadt Xian entsteht.

Rauchender Kaiser

Die alte Kaiserstadt Xian ist eine äußerst beliebte Touristenattraktion. Unter anderem starten von hier die Besichtigungstouren zu der weltberühmten Terrakotta-Armee. Die Tonkrieger sind eine frühchinesische Grabbeigabe für den ersten chinesischen Kaiser Qín Shǐhuángdì.

Neben diesem touristischen Highlight ist die Stadt aber vor allem für eines bekannt: Smog. Daher erprobte das Umweltinstitut der chinesischen Akademie für Wissenschaften hier ein neues Pilotprojekt, in dessen Rahmen die Luft der Stadt durch eine neue Technik gereinigt werden soll.

Fabrikluft mal anders

Ein 100 Meter großer Fabrikschlot soll die Luftqualität verbessern. Diese Idee stammt bereits aus dem Jahr 2014, nun haben Forscher des Instituts für Umweltwissenschaften an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sie in Xian umgesetzt.

Der Kamin ist von einem flachen Gebäude mit Glasdächern umgeben, das in etwa die Fläche eines halben Fußballfeldes einnimmt. Dort wird Umgebungsluft angesaugt und mit Hilfe von Sonnenenergie wie in einem Treibhaus erwärmt. Die warme Luft steigt nach oben und passiert mehrere Filter, die Feinstaub herausfiltern, so dass am Ende des Prozesses saubere Luft den Schlot verlässt. Durch den Unterdruck strömt kontinuierlich Luft von unten nach. Angetrieben vom Sonnenlicht entsteht hier also beinahe ein Perpetuum Mobile für saubere Luft.

Damit auch im Winter das Sonnenlicht seine Arbeit verrichten kann, sind die Glasdächer mit einer speziellen Beschichtung versehen, wodurch die Sonnenstrahlen noch effizienter absorbiert werden. Das System kommt nach Angaben der Wissenschaftler weitgehend ohne externe Stromzufuhr aus.

xian saubere luft

Macht auch im Dunkeln was her: Die Luftreinigungsanlage in Xian (Quelle: Chinese Academy of Sciences)

Lob und Kritik aus den USA

Dass hier tatsächlich eine interessante Möglichkeit entsteht, saubere Luft zu schaffen, zeigt ein dickes Lob aus den USA. Donald Wuebbles, ein Klimaforscher der Universität in Illinois, spricht von einer sehr interessanten Idee, auf die noch niemand sonst gekommen sei. Auch Bai Chunli, Präsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, ist von dem Projekt angetan. Der Prototyp, dessen Bau 2 Millionen US-Dollar kostete, soll bald durch einen noch größeren Turm erweitert werden.

Kritisiert wird dagegen, dass hier wieder ein „Workaround“ geschaffen wird. Effizienter wäre es natürlich, den Ausstoß von Feinstaub von vorneherein zu vermeiden durch Verbotsmaßnahmen. Auch entstehen beim Bau einer solchen Anlage Umweltschäden, Beton und Photovoltaikanlagen müssen hergestellt werden. Da sei es doch besser, das Geld von vorneherein einfach in erneuerbare Energien zu stecken. Ein nicht ganz unberechtigter Punkt. Trotzdem macht es meiner Meinung nach Sinn, den bereits ausgestoßenen Feinstaub wieder aus der Luft zu holen. Ein wichtiger Faktor ist natürlich auch, was im Anschluss mit den verschmutzten Filtern geschieht.

Saubere Luft aus der Fabrik

Das eigentliche Prinzip ist so einfach wie genial. Die durch den Filter aufbereitete Luft wird massenhaft in die Umgebung gepumpt und sorgt so im wahrsten Sinne des Wortes für saubere Luft. Laut den auf zehn Quardratkilometern verteilten Luftmessstationen hat sich die Feinstaubbelastung im Vergleich zu anderen Stadtteilen Xians, die nicht im Einzugsbereich liegen, um 19 Prozent verringert! Hier scheint sich also tatsächlich eine umweltschonende Möglichkeit zu ergeben, saubere Luft in unseren Städten zu schaffen. Das Ganze sollte natürlich trotzdem um weitere Maßnahmen wie Fahrverbote, die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und Subventionen bei der Sanierung alter Heizkessel erweitert werden. Noch wichtiger als die Symptome zu behandeln, bleibt es wie immer die Ursachen für Feinstaub und andere Umweltbelastungen anzugehen.

0 Comments

  1. […] ich Euch in den letzten Artikeln Beispiele aus der ganzen Welt, z.b. aus China gezeigt habe, bin ich froh und stolz, dass mal wieder ein interessantes Projekt hier bei uns im […]

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