Plastikmüll im Meer – Teil 2: Die Lösung (?)

Plastikmüll im Meer
Plastikmüll im Meer – Teil 1: Das Problem
17. Juni 2017
system change not climate change
System change not climate change!
4. November 2017

Plastikmüll im Meer – Teil 2: Die Lösung (?)

plastikmüll im meer

Quelle: Julien Christ / pixelio.de

Im voran gegangenen Post über Plastikmüll im Meer  habe ich Euch das Problem, seine Ursachen und Auswirkungen gezeigt. In diesem Artikel möchte ich Euch gerne Lösungswege aus dem Dilemma zeigen.

Unser alles Verantwortung

Die erste und oberste Maxime muss natürlich lauten: unnötiger Plastikmüll im Meer ist schlicht und einfach zu vermeiden! Das ist einfacher als es klingt. Man muss nur ein paar offensichtliche Regeln beachten:

  1. Verzicht auf Plastiktüten im Supermarkt: Niemand, wirklich niemand braucht diesen Müll! Nehmt wiederverwertbare Stoffbeutel ! Auch Einkaufs-Plastikboxen landen irgendwann im Müll.
  2. Mehrweg statt Einweg! Wenn Ihr noch keinen Sodastream für Euer Trinkwasser habt, dann verzichtet wenigstens auf PET Flaschen! Glasflaschen geben keine Plastikteile in das Wasser ab und haben eine deutlich höhere Lebensdauer. Wer nicht schleppen möchte, nimmt wie gesagt einen Sodastream oder ein ähnliches Produkt.
  3. Keine mehrfach in Plastik verpackte Produkte kaufen! Kennt Ihr die großen Gummibärchentüten, in denen dann kleine Tüten mit ca. 5-6 Gummibärchen verpackt sind? Oder die riesen Kaffepadpackungen, in denen jedes einzelne (!) Kaffepad nochmal extra eingepackt ist!? Ohne Worte…
  4. Mein persönlicher Lieblingstipp: Verzicht auf verpackte Fertigprodukte und stattdessen selber kochen! So richtig…mit frischem Gemüse…tut nicht weh 🙂 Mehr dazu in der Kategorie Essen & Trinken
  5. Alternative Einkaufsorte nutzen! In Eurem Supermarkt gibt es leider nur in Plastik verpackte Produkte? Kein Problem. Probiert einfach mal den nächsten Bio-Markt, Hofladen oder fragt beim Bauern selber nach. Dort findet Ihr in der Regel alles was Ihr braucht unverpackt und könnt es in die Stoffbeutel aus Tipp 1 füllen 🙂
  6. Verzicht auf Produkte, in denen sich Mikroplastik befindet. Dazu gehören Flüssigseife, Peelings, Styling Cremes, Duschgels etc. Auch hier gibt es Alternativen aus dem Bioladen. Und bitte keine Vorurteile: diese reinigen genauso gut und macht riecht bei Benutzung auch nicht nach „Öko“
  7. ….selbst denken und Augen auf halten. Es gibt im Alltag hunderte (!) Beispiele, wie man unnötigen (Plastik-)Müll vermeiden kann. Dazu zählen: Verzicht auf „To Go“ Getränke, richtiges Geschirr statt Plastikbesteck und Pappteller beim Picknick und Grillen (ist auch viel stylischer!), ein Seifenstück verwenden, statt Flüssigseife im Plastikbehälter, Alternative Produkte aus Glas, Holz oder Metall kaufen…Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich wette, währende Ihr das hier gelesen habt, sind Euch mindestens drei weitere Dinge eingefallen, auf die Ihr zukünftig verzichten könnt!

Ganz allgemein lässt sich zu dem Thema abschließend sagen: der Verzicht auf unnötigen Konsum ist das oberste Ziel! Was wir nicht kaufen, muss nicht (nach-)produziert werden! Daher haben wir es mit unserem Konsumverhalten selbst in der Hand!

Das Plastikmüll im Meer -Projekt

Soweit so gut. Wir werden unseren eigenen Müllberg zukünftig also DRASTISCH reduzieren. Aber was bringt das in Bezug auf den Plastikmüll, der jetzt schon im Meer treibt!?

Die Antwort könnte möglicherweise von dem 21-jährigen niederländischen Studenten Boyan Slat kommen. Ziel seines „The Ocean Cleanup“ Projekt ist es, mittels einfacher Technik und der Nutzung von Meeresströmungen den Plastikmüll im Meer zu sammeln und abzutransportieren.

Das Ganze funktioniert folgendermaßen: Ein riesiger schwimmenden Filter soll die Meere vom Plastikmüll befreien. Die Konstruktion soll aus einer am Meeresboden fixierten Plattform bestehen mit seitlich angebrachten Auslegern, die wie überlange Arme den Müll aus dem Wasser einfangen. Dafür will sich der 19-Jährige die Wasserströmung zu Nutze machen, um Plastikteilchen automatisch in Richtung der Plattform spülen zu lassen.

Ob das Ganze in der Praxis wirklich funktioniert, wird die Zukunft zeigen. Für die Umsetzung seiner Idee gründete Slat Anfang des Jahres 2013 die Non-Profitorganisation „The Ocean Cleanup Foundation“, die sich um die Entwicklung der Technik kümmert. Sein Ziel ist es, schätzungsweise 7.250.000 Tonnen Plastikmüll aus dem Meer zu fischen, was dem Gewicht von 1000 Eifeltürmen entspricht. Nur fünf Jahre soll das mit seiner Konstruktion dauern.

Die Finanzierung hat er über eine Crowdfunding Kampagne bereits erreicht. Trotzdem sind gute Ideen und finanzielle Mittel weiterhin willkommen. Wer sich die Konstruktion nicht vorstellen kann, möge sich bitte die beeindruckenden Bilder unter dem Link weiter oben im Text ansehen. Sehr empfehlenswert!

Upcycling

Upcyling ist eine spezielle Form des Recyclings. Hier wird der Müll nicht, wie es beim klassischen Recycling der Fall ist, zerlegt und wieder als Rohstoff zur Verfügung gestellt.

Vielmehr werden auf kreative Art und Weise neue Produkte aus den Alten erstellt. Teilweise unter Beibehaltung der alten Strukturen und Formen. Es kommt also zur einer Weiterverarbeitung und damit Erhöhung (up) der ursprünglichen Produkte in der Wertschöpfungskette.

Ein interessantes Thema, für das sich die Nutzung einer Suchmaschine im Internet empfiehlt. Schnell werdet Ihr dort viele interessante Produkte finden. Ein schöner Nebeneffekt: da es sich oftmals um kleine, unabhängige Schöpfer handelt, unterstützt Ihr durch Eure Käufe unabhängige Denker und einen guten Zweck!

Die Raupe Nimmersatt

Dass die kleine Raupe  der Wachsmotte auch vor Plastik nicht halt macht, hat eine Forscherin in Spanien per Zufall entdeckt. Sie (also die Motte 🙂 ) hat großen Appetit auf Polyethylen und kann den Kunststoff sogar verdauen. Jetzt wollen die Wissenschaftler eine biotechnologische Lösung entwickeln, um Plastikmüll abzubauen.

Zur Aufbewahrung, packte die Forscherin die Larven in eine Plastiktüte, musste aber kurze Zeit später feststellen, dass diesen die Flucht gelungen war. Sie hatten lauter Löcher in den Beutel gefressen und durch ihren Heißhunger auf Plastik das wissenschaftliche Interesse Bertocchinis geweckt: Galleria mellonella wurde zum Forschungsobjekt.

Galleria mellonella heißt die Wachsmotte, deren Larven den häufig verwendeten Kunststoff Polyethylen (PE) fressen, aus dem zum Beispiel Plastiktüten hergestellt werden. Das Problem: Er lässt sich biologisch kaum abbauen. Es dauert Jahrhunderte, bis er sich in der Natur zersetzt. Schneller geht es, wenn die Larven der Wachsmotte anrücken. Sie können den Kunststoff verdauen. Ein spannendes Projekt, das bei der Beseitigung des bestehenden Plastikmülls einen gewaltigen Fortschritt darstellen könnte.

Fazit: Plastikmüll im Meer wird ein Problem bleiben

Es ist an uns zu handeln! Aber auch, wenn wir unser Verhalten von heute auf Morgen umstellen, wird es dauern, bis wir unsere Altlasten beseitigt haben. Nur eine Kombination aus Verhaltensänderung, Technik und dem unbedingten Willen beides zum Wohle der Meere voranzutreiben kann dabei helfen, nachhaltige Lösungen zu finden. Wir alle hängen am gleichen Fliegenfänger – handeln wir jetzt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.