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Mitfahrerbank – Trampen per Parkbank

Mitfahrerbank

© Niko Korte / pixelio.de

Die Mitfahrerbank gehört zu den neuen Ideen, die mir Mut machen in Bezug auf den Klimawandel. Im Artikel über den Weltklimabericht 2014 hatte ich Euch versprochen, dass ich Euch dafür einige Beispiele vorstellen möchte. Damit werde ich heute beginnen. Jedes für sich genommen hat sicherlich nur einen kleinen Effekt. Aber in Summe zeigen diese Geschichten mir, dass das Umdenken in vielen Bereichen bereits eingesetzt hat.

Dabei muss Nachhaltigkeit gar nicht immer im Vordergrund stehen, wie Ihr gleich sehen werdet. Aber viele Probleme, die wir heute haben, lassen sich lösen, indem man Synergieeffekte schafft und so auch die Umwelt schont. Heute möchte ich also mit einem ersten Beispiel beginnen, das ich sehr schön finde. Viele weitere folgen in den nächsten Artikeln.

Sinnvoll in ländlichen Gegenden

Das Konzept der Mitfahrerbank wird momentan in vielen kleineren Ortschaften in dünn besiedelten Gebieten ausprobiert. Das Problem ist bekannt: auf dem Land fährt halt in manchen Orten nur zweimal der Bus. Einmal morgens in die Stadt und einmal abends wieder zurück. Eine findige Mitarbeiterin der Caritas in der Eifel hatte eine kluge Idee, wie man diese Situation verbessern kann. Der von ihr gesetzte Trend findet mittlerweile bundesweit immer mehr Nachahmer.

Im Grunde ist die Idee so einfach wie genial. Auf einer speziell gekennzeichneten Parkbank am Straßenrand (das Original ist beispielsweise türkis gestrichen) kann jeder Platz nehmen, der von Autofahrern zu Zielen in der näheren Umgebung mitgenommen werden will. Damit der Mitnehmende direkt schon sehen kann, wohin der oder die Andere fahren möchte, gibt es eine kleine Hilfestellung. Neben der Mitfahrerbank steht ein Wegweiser, an dem die verschiedenen Ziele in der Umgebung auf unterschiedlichen Tafeln angebracht sind. Ziele sind beispielsweise der Bahnhof im nächsten Ort oder das Einkaufszentrum in der Stadt.

Der Tramper kann jetzt einfach das Schild nach vorne „blättern“, das den Ort anzeigt, zu dem er hin möchte. Fährt nun jemand vorbei, der auch in diese Richtung fährt, sieht er sofort, dass man den gleichen Weg hat. Mündliche Absprachen sind fast nicht mehr nötig. Für den Rückweg ist am Zielort dann natürlich die entsprechende „Gegenbank“ installiert.

Die Mitfahrerbank findet auch anderorts Anklang

Die türkise Farbe der Mitfahrerbank ist aber mittlerweile nicht mehr nur in der Eifel zu sehen. Das kluge Konzept findet auch in anderen ländlichen Gegenden Nachahmer. So hat sich auch ein Bürgermeister in der Oberlausitz vom Konzept überzeugen lassen und installierte in seinem Ort auch Mitfahrerbänke. Denn auch im 700 Seelendörfchen Wittgendorf steht es schlecht um die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Busse fahren fast gar keine mehr. Unter der Woche sind es nur eine Handvoll und am Wochenende keiner mehr. Da sich auf absehbare Zeit an dieser Situation nichts ändern würde, hat der Bürgermeister aus der Not eine Tugend gemacht und ebenfalls Mitfahrerbänke installieren lassen. Denn das Schöne ist: man geht als Gemeinde kein Risiko ein. Bänke müssen sowieso errichtet werden, dann kann man auch gleich eine Mitfahrerbank daraus machen. Auch in der Lausitz wird das Angebot rege angenommen. Und die Zufallsbegegnungen führen auch immer wieder zu netten Gesprächen.

Die Erfinderin der Mitfahrerbank

Die Idee zur Mitfahrerbank stammt wie oben erwähnt von einer Dame aus dem Kreis Bitburg in der Eifel. Die Original-Mitfahrerbank verfügt mittlerweile auch über eine eigene Internetpräsenz. Schaut Euch die nett gemachte Seite gerne einmal an und entdeckt die Mitfahrerbänke in der Eifel. Zusätzlich kann man sich dort auch weitere Bänke in anderen Gegenden anzeigen lassen. Momentan werden dort zwar nur Bänke in Karlsruhe angezeigt, aber ich denke, dass sich hier mit der Zeit noch einiges tun wird.

Das charmante Konzept der Mitfahrerbank ist ideal an die Bedürfnisse älterer Menschen auf dem Land angepasst. Zwar gibt es auch eine Reihe toller bunter Apps, die einem das Trampen erleichtern. Leider haben diese alle den Denkfehler, dass sie an einem großen Teil der relevanten Zielgruppe vorbei entwickelt wurden. Denn viele ältere Menschen haben – und das ist nicht abwertend gemeint! – wahrscheinlich eher kein Smartphone zur Hand, um mal eben zu checken, wer gerade in die gleiche Richtung fährt. Die Mitfahrerbank ist dagegen exakt auf die Zielgruppe zugeschnitten. Sie ist für die kurzen „Alltagsstrecken“ bestens geeignet und kommt ohne moderne Medien á la Smartphone etc. aus.

Fazit

Obwohl die Idee der Mitfahrerbank insgesamt sehr schön ist, ist sie natürlich nur ein „Notnagel“, um das eigentliche Problem zu umgehen: die ländlichen Regionen in Deutschland müssen viel besser an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden werden! Dieser Notstand trifft vor allem ältere Menschen und solche, die ohne eigenes Auto nicht mobil sind. Hier ist dringend Unterstützung durch den Staat nötig.

Im konkreten Fall bedeutet das: Investitionen in die Infrastruktur und den öffentlichen Nahverkehr. Denn: einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr ersetzen kann die Mitfahrerbank leider nicht. Aber solange sich dort nichts tut sind es findige Menschen wie die Dame in der Eifel, die mit ihren Ideen dabei helfen, dass auch ältere Menschen und solche ohne Auto mobil bleiben können. Dafür vielen Dank!

Bis dahin,

genießt das Leben!

 

1 Comment

  1. […] Leser meines Blogs, die schon länger dabei sind: Auch das Konzept der Mitfahrerbank wurde von der Grünen Fraktion hier als durchaus empfehlenswert angesehen. Es scheiterte allerdings […]

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