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Apfelwein selbst herstellen – So gelingt´s immer

Apfelwein selbst herstellen

© Karl-Heinz Laube / pixelio.de

Heute möchte ich Euch –passend zur Jahreszeit – gerne zeigen, wie man Apfelwein selbst herstellen kann. Ich dachte mir, nach dem letzten Artikel über den Klimawandel, könnt Ihr vielleicht einen kleinen Schluck Alkohol vertragen 🙂 Nur ein Spaß! Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam das Ruder noch herumreißen können. In den kommenden Artikeln werde ich Euch einige Hoffnungsmacher für unser Weltklima vorstellen. Aber heute gibt es trotzdem erst mal einen guten Schluck!

Die Basics

Der Apfelwein, im französischen Sprachraum auch als Cidre und im englischen als Cider bekannt, ist ein Fruchtwein, der aus verschiedenen sauren Apfelsorten hergestellt werden kann. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 5-7 Volumenprozent. Der Geschmack ist leicht säuerlich. Das liegt daran, dass für seine Herstellung in der Regel Apfelsorten verwendet werden, für die man sonst keine „sinnvolle“ Verwendung findet. Wenn man schon keinen Kuchen daraus machen kann, dann kann man auch genauso gut Alkohol daraus herstellen 🙂 Das heißt aber auch im Umkehrschluss: wenn Ihr Euch für eine süße Apfelsorte entscheidet, kann der Geschmack des Apfelweins auch weniger säuerlich ausfallen.

Eigentlich bevorzuge ich zur Herstellung frisch gepressten Apfelsaft. Am besten von Äpfeln, die ich vorher von wilden Apfelbäumen eingesammelt habe. Solche Bäume könnt Ihr bequem per App oder auf der Webseite Mundraub.org finden. Die Seite habe ich Euch bereits in einem anderen Artikel vorgestellt. Ob Ihr den Apfelsaft dann selbst presst, bei einer Mosterei pressen lasst oder bei einer Mobilen Saftpresse abholt, ist Euch überlassen.

Jedenfalls habe ich es dieses Jahr leider nicht geschafft, selbst genug Apfelsaft zusammenzubekommen, so dass ich auf fertigen Bio-Apfelsaft zurückgreifen muss. In einigen Foren ist zu lesen, dass man aus haltbar gemachten Apfelsaft keinen Apfelwein mehr herstellen kann. Das trifft nur bedingt zu. Bei klarem „Industrieapfelsaft“ ist das tatsächlich so. Ich kann Euch aber aus eigener Erfahrung berichten, dass es mit naturtrübem Bio-Apfelsaft einwandfrei funktioniert.

Die Hardware

Was also braucht man, damit man leckeren Apfelwein selbst herstellen kann? Zunächst einmal müsst Ihr ein bisschen Geld in die Hand nehmen, um Euch die benötigten Materialien zu beschaffen. Diese Investition fällt natürlich nur beim ersten Mal an. Falls Ihr einen Weinhändler in der Nähe habt, könnt Ihr dort fragen, ob er die benötigten Gefäße hat. Ansonsten bekommt Ihr auch alles problemlos im Internet. Ans Ende des Artikels packe ich Euch alle Links zu den benötigten Gegenständen. Im Einzelnen braucht Ihr für fünf Liter Apfelwein:

  • Einen Gärbehälter (5 Liter)
  • Fünf Ein-Liter Glasflaschen
  • Ein Gärröhrchen
  • Einen Trichter
gefäße zum apfelwein machen

DIe Hardware… © better-life-blog.de 2016

Die Software

Nachdem Ihr alle benötigten Gefäße zusammenhabt, braucht Ihr natürlich auch etwas, was Ihr dort reinfüllt. Wie gesagt bin ich diesmal den faulen Weg gegangen und habe mir fertigen Apfelsaft besorgt. Ich beschreibe aber in diesem Artikel den von mir eigentlich bevorzugten Weg. Das heißt, wie Ihr von „rohen Äpfeln“ hin zu leckerem Apfelwein kommt.

Dafür benötigt Ihr:

  • 7-8 Kilo Äpfel (oder 5 Liter fertigen Saft, wenn Ihr faul seid 🙂 )
  • 300g braunen Zucker
  • Ein Päckchen Hefe
zutaten für apfelwein

Die Software… © better-life-blog.de 2016

Allein schon bei den Zutaten scheiden sich die Geister. Anspruchsvolle Gemüter schwören auf bestimmte Sorten Äpfel. Und es darf natürlich nur Hefe XY sein. Ich bin in diesem Fall etwas simpler gestrickt: An die Äpfel habe ich gar keine Ansprüche. Im Gegenteil: es ging früher ja eben gerade darum, aus den Äpfeln, die nicht so schön sind und gut schmecken, noch etwas Sinnvolles zu machen. Auch bei der Hefe nehme ich einfach ein Päckchen normale Backhefe. Ein Sakrileg in eingeweihten Kreisen. Aber mir hat es bisher immer geschmeckt 🙂

Apfelwein selbst herstellen ist nicht schwer!

Für dieses kleine Experiment muss man kein Quantenphysiker zu sein! Im Prinzip genügt es, die Zutaten in der richtigen Reihenfolge zusammen zu kippen und Mutter Natur, bzw. die Hefe dann einfach zwei Wochen lang machen zu lassen. Folgendermaßen müsst Ihr vorgehen:

  • Die Äpfel waschen und vierteln. Dann alles in den Mixer und anschließend durch ein Sieb gießen. Anschließend den frischen Saft ca. 45 Minuten pasteurisieren. Das heißt den Saft bei 75-81 Grad sieden. Das tötet die meisten Bakterien ab. Der Saft darf aber nicht kochen! Das war auch schon der schwierigste Teil.
  • Zucker und Hefe in den Gärbehälter füllen.
apfelwein brauner zucker

Hefe und Zucker einfüllen…© better-life-blog.de 2016

  • Einen Liter vom Apfelsaft dazu geben und einmal alles gut schütteln.
  • Den restlichen Saft dazugeben. Der Gärbehälter muss bis fast ganz oben gefüllt werden! Das ist wichtig, sonst gibt es statt Apfelwein Apfelessig. Das ist mir zumindest beim ersten Mal passiert.
  • Jetzt das Gärröhrchen auf den Gärbehälter setzten.
  • Das Gärröhrchen mit klarem, hochprozentigem Schnaps füllen. Ich nehme immer billigen Wodka. Der Schnaps dient zum bakterienfreien Versiegeln des Gärgefäßes und gelangt nicht in den Apfelwein.
apfelwein gärung

Mit Wodka alles dicht machen… © better-life-blog.de 2016

  • Zwei Wochen warten. Der Gärbehälter muss am besten in einem kühlen (nicht kalten!), dunklen Raum stehen.
  • Nach den zwei Wochen mittels Trichter den Apfelwein in die Flaschen umfüllen. Dabei den Apfelwein durch ein Tuch in den Trichter gießen, um Schwebstoffe herauszufiltern. Ihr könnt natürlich auch Mehrwegflaschen benutzen. Mir schmeckt es aber aus Glasflaschen einfach besser.
  • Nochmal eine Woche in einem kühlen, dunkeln Raum „nachreifen“ lassen.
  • Freunde einladen. Prost!

Was passiert in den zwei Wochen der Gärung?

Alle, denen es nur um den Alkohol geht, können an dieser Stelle schon mal aufhören zu lesen. Für alle, die sich ein bisschen für den Gärprozess interessieren folgen jetzt noch einige Hintergrundfakten.

Die alkoholische Gärung ist ein natürlicher Prozess, bei der Hefebakterien Zucker in Kohlensäure und (den von uns gewünschten) Alkohol zerlegen. Wenn Ihr den Apfelsaft in den Gärbehälter gefüllt habt, beginnen die Hefebakterien damit, den Fruchtzucker zu verarbeiten.

Die dabei entstehende Kohlensäure seht Ihr in Form von vielen winzigen Bläschen im Gärbehälter aufsteigen. Deshalb ist auch das Gärröhrchen so wichtig: würdet Ihr den Gärbehälter fest verschließen, würde er früher oder später explodieren. Durch das Röhrchen kann die Kohlensäure aber entweichen, ohne dass Bakterien den umgekehrten Weg in den Gärbehälter hinein wandern können.

Der mit dem Blubb…

Schon nach wenigen Stunden könnt Ihr feststellen, dass sich auf dem Apfelsaft Schaum bildet. Dieser ist ein Abfallprodukt der Gärung und verschwindet mit der Zeit. Wenig später blubbern die ersten Blasen im Gärröhrchen. Nach zwei bis drei Tagen ist der Höhepunkt erreicht. Dann steigt ca. einmal in der Sekunde eine Kohlensäureblase durch das Röhrchen auf. Danach flacht die Kurve langsam ab. Nach zwei Wochen hat sich die Hefe nahezu komplett am Boden abgesetzt. Der Zucker ist weitgehend zu Alkohol geworden. Daher schmeckt der Apfelwein auch saurer als der Apfelsaft aus dem er besteht.

Apfelwein selbst herstellen

Die ersten Blasen entstehen… © better-life-blog.de 2016

Apropos sauer: die alkoholische Gärung ist eine Art Trick der Hefebakterien zur Energiegewinnung. Diesen benutzen sie aber nur, wenn kein Sauerstoff zur Verfügung steht. Haben sie Sauerstoff, kommt es zur Essiggärung. Deshalb ist es wie oben beschrieben wichtig, dass der Gärbehälter ziemlich bis zum Rand mit Saft gefüllt wird. Sonst könnt Ihr Euch über fünf Liter Essig freuen 😉

Das war also unser kleines Alkoholexperiment. Ihr seht, mit ein paar leichten Arbeitsschritten und einer Spur „MacGyver“ in Euch, kann man sehr leicht Apfelwein selbst herstellen.

PS: Falls Ihr Euch über die trübe Farbe im Gärbehälter wundert: nach den zwei Wochen der Gärung hat sich der Großteile der Schwebstoffe abgesetzt. Danach ist der Apfelwein so schön klar, wie Ihr ihn kennt.

Hier noch die Links* zum von mir benutzten Equipment:

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Bis dahin,

genießt das Leben!

 

2 Comments

  1. Markus sagt:

    Hi,

    danke für die Anleitung, ich habe jetzt schon so einiges gelesen und werde auch Apfelwein machen 🙂
    Vielleicht als Zusatz:
    wenn man den Apfelwein spritzig mag, kann man vor dem Abfüllen noch Zucker hinzufügen (etwa 7 g/l). Dieser vergärt dann in den Flaschen und bildet unter Druck die gewünschte Kohlensäure, so werde ich das machen.
    Ein paar Anmerkungen zu deinem Artikel würde ich auch gerne los werden:
    Das Gärgefäß sollte nicht ganz bis oben hin gefüllt werden, da es sonst überschäumen kann, was nicht ganz gewünscht ist. Auch hat ein kleines Bisschen Luft im Gärgefäß noch lange nicht zur Folge, dass Essig entsteht, dafür muss schon permanent Luft zugeführt werden (etwa ein undicht montiertes Gärröhrchen). Essissäuregärung ist nichts, was Hefe macht. Wenn die Hefe Sauerstoff bekommt, baut sie Zucker im Prinzip vollständig zu CO2 und Wasser ab, ohne Luft eben zu CO2 und Alkohol. Für Essigsäuregärung braucht es Essigsäurebakterien (Acetobacteraceae), die müssen bei dir damals irgendwie in das Gefäß gekommen sein.
    Übrigens: es sind Hefepilze, keine Bakterien 😉

    LG Markus

    • andreas andreas sagt:

      Hallo Markus,

      vielen Dank für Deine Ergänzungen/Richtigstellungen 🙂
      Und viel Erfolg bei der Herstellung Deines Apfelweins! Trink ein Glas für mich mit! 🙂

      Viele Grüße,
      Andreas

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